Eröffnung der Sonderausstellung „Ganz schön bunt – so könnte es gewesen sein“

„Lassen Sie sich auf das Experiment ein.“ Dieser Aufforderung von Dr. Peter Knötzele, dem wissenschaftlichen Berater des Museums, folgten am Donnerstag, dem 26. März 2009 zahlreiche Mitglieder und Gäste des Freundeskreises Römermuseum bei der Eröffnung der aktuellen Sonderausstellung aus Anlass des 25jährigen Jubiläums des Museums und seines Freundeskreises.
Während der Führung erläuterte der Kenner des römischen Stettfeld ausführlich die einzelnen Exponate, die „eine gänzlich andere Sichtweise“ der Antike ermöglichten. Denn, der Vierwege-Weihestein ist beispielsweise mit prachtvollen Ornamenten verziert, in blau und grün und rot. Herkules hat einen Kopf mit dunkler Lockenmähne, einen eindrucksvollen Bart, einen strengen Blick, ist auch sonst vollständig wieder hergestellt und trägt neben einem roten Mantel seine Attribute Köcher, Keule und das Löwenfell mit Kopf. Farbenfroh stehen sie neben den Originalfunden, die – ihrem Fertigungsmaterial entsprechend – sandsteingelb, grünlich oder grau sind. Und auch andere Zeugen der römischen Vergangenheit Stettfelds sowie viele Beispiele aus anderen Museen haben einen bunten Zwilling bekommen, der zeigt: „So könnte es gewesen sein.“
Die Farbigkeit antiker Objekte sei durch entsprechende Textstellen, Malereien auf Vasen und Wänden sowie Farbreste auf Grabungsfunden belegt, doch sei sie bis Mitte des 20. Jahrhunderts umstritten gewesen, führte Dr. Knötzele aus. Kühler, weißer Marmor, sei eben einfach „in“ gewesen und die „bunte“ Vorstellung eher problematisch. Aber: „Durch die Farbigkeit erhält der Betrachter ein völlig anderes Sehgefühl. Die Details werden nun viel deutlicher, erhalten eine viel stärkere Plastizität.“ Für die Farbgebung der bemalten Ausstellungsstücke habe man gründlich recherchiert, so der Experte. Zu sehen ist deshalb auch ein Überblick über mögliche Farben und antike Farbtöpfe.
In Eigenregie hat der Freundeskreis Römermuseum diese Sonderausstellung zusammen- und die farbigen Repliken hergestellt. Die leuchtend bunten Ebenbilder stammen zum überwiegenden Teil aus der Werkstatt von Bruno Deutsch, der die Kopien in Handfertigung herstellte und bemalte. Und im Hause Deutsch wurde als Gemeinschaftswerk mit dessen Sohn und Enkelin die „kopf- und armlose“ und weiterer Attribute teilweise beraubte Herkulesstatue wiederhergestellt.


So schön bunt könnte der Stettfelder Herkules ausgesehen haben


Auch der Vierwegestein und das Dreigötter-Relief gewinnen durch die Farbigkeit