Limes Weltkulturerbe, Bedeutung, Aufgabe, Probleme

lautete das Thema des Stettfelder Abendvortrags am 16.03.2009 von Prof. Dr. Egon Schallmayer aus Bad Homburg.
Der Referent machte zunächst mit der Tatsache vertraut, dass der sogenannte Odenwaldlimes, eine ursprünglich um 100 n.Chr. angelegte Grenzlinie, nicht zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt. Diese Ehre wurde 2005 nur dem sogenannten Obergermanisch-Raetischen Limes, mit 550 km Länge das größte Bodendenkmal in Deutschland, zuteil.
Nach neuen Erkenntnissen ist der Limes nicht als Verteidigungslinie sondern eher als eine Art Zollgrenze zu verstehen, an der es in 2 Jahrhunderten zu regem Warenaustausch zwischen Römern und Germanen kam. Nur so ist verständlich, dass der Obergermanische Limesteil ohne Rücksicht auf landschaftliche Probleme ab 100 n. Chr. häufig als schnurgerade Schneisen mit hölzernen Wachttürmen mitten durch die germanischen Wälder gezogen wurde. Erst um 130 wurden Palisadenzäune aus halbierten Eichenstämmen angelegt, die um 170 durch Erdwälle und Gräben ersetzt wurden. Aus den verwitternden Holztürmen wurden massive Steintürme.
Der rätische Limesteil hingegen bekam von Anfang an eine massive Mauer mit Steintürmen, was vermutlich auf den individuellen Einfluss der verschiedenen Miltärverwaltungen zurückzuführen war.
In Abständen von rund 10 km entstanden Kastelle und in deren Gefolge auch zivile Siedlungen.



Die Limesforschung begann schon im 19.Jhdt. durch bekannte Historiker wie z. B. Theodor Mommsen, der die sogenannte Reichslimeskommission gründete. Dann wurde es ziemlich ruhig um den Limes. Erst 2005 rückte der Limes als Weltkulturerbe wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.
Von 1994 – 2004 dauerten die Vorarbeiten bis zum Staatsvertrag zwischen den betroffenen Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und der Bundesregierung über das koordinierte Vorgehen aller Stellen und der damit verbundenen Gründung der Deutschen Limeskommission. Hiermit wurde wieder konsequent an die von der Reichslimeskommission 1892 begonnenen und 1937 beendeten systematischen Arbeiten zur Erforschung und Konservierung der Grenzbauwerke der Römer angeknüpft. Durch die Erfüllung dieser Vorbedingung hatte schließlich der Weltkulturerbe-Antrag Erfolg.
Allerdings beschränkt sich der Eintrag als Weltkulturerbe auf die ständige Überwachung der Einhaltung aller Verpflichtungen und Statuten. Die dringend notwendige finanzielle Unterstützung ist damit nicht verbunden. Hier ist die Limeskommission im Wesentlichen auf die Hilfe der Länder und Kommunen im öffentlichen Bereich und die Unterstützung durch private Spender, ehrenamtliche Tätigkeit und schlussendlich den Tourismus angewiesen.
Nach Aussage des Referenten hat sich durch das Weltkulturerbe aber doch Vieles zum Positiven verändert. Das Bestreben, bisher Unbekanntes zu erforschen, alte Erkenntnisse zu überprüfen und mit neuen Ergebnissen in Einklang zu bringen und vor allem, die einzigartige Grenzlinie über Landes- und Kommunalgrenzen hinweg zu schützen, kann immer besser umgesetzt werden.
Was während der letzten Jahrzehnte als Anliegen einiger weniger Archäologen meist abschlägig beschieden wurde, trägt heute dank Weltkulturerbe zum Renommé der betroffenen Landstriche und Gemeinden bei. Entsprechend entgegenkommend wird heute von den Behörden auf Schutzwünsche für Altbekanntes und Ausgrabungsideen von Neuentdecktem eingegangen und sogar Bebauungspläne nachträglich zugunsten von Limestrassen, -kastellen und –türmen geändert.
Beschilderte Limeswanderwege mit restaurierten Kastellen und Wachttürmen sowie die konservierten Reste von Befestigungen, vici und Straßen erschließen dem interessierten Besucher eindrucksvoll die Großmachtpolitik der Römer vor knapp 2000 Jahren.



Der Odenwaldlimes wird inzwischen ebenfalls intensiv erforscht und ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Besondere Beispiele sind die Kastelle und vici von Mudau-Schlossau und Neckarburken. Der Vortrag schloss mit einem Appell an alle Beteiligten, ihre Anstrengungen um den Odenwaldlimes trotz fehlenden UNESCO-Labels zu verstärken, einen Entwicklungsplan Odenwaldlimes länderübergreifend aufzustellen, finanzielle Mittel abgestimmt zu akquirieren, mit einheitlichem Logo alle zugehörigen Einrichtungen zu kennzeichnen und mit den lokalen und regionalen Touristikeinrichtungen koordiniert zusammenzuarbeiten.