Zeit der Helden – Die dunklen Jahrhunderte Griechenlands - Besuch der Sonderausstellung des Badischen Landesmuseums Karlsruhe am 07.02.2009

20 Teilnehmer folgten der Einladung des Freundeskreises Römermuseum zum Besuch der ungewöhnlichen Sonderausstellung und wurden dort von einem Archäologen fachmännisch geführt.
Noch nicht sehr lange ist es her, da wurde die Zeit zwischen dem 13. und dem 8. Jhdt. v. Chr. als „The dark ages“ (die dunklen Jahrhunderte) bezeichnet, weil es nach dem abrupten Ende der mykenischen Palastzeit bis zum Beginn der griechischen Stadtstaaten zunächst zu wenig archäologische Funde gab und keine Schriftzeugnisse vorlagen. Lediglich die Gesänge Homers übermittelten einen vagen Eindruck von den möglichen Verhältnissen in dieser Zeit.
Doch inzwischen hat sich einiges aufgehellt, der archäologische Fundhorizont ist größer geworden und man tendiert nun eher zu dem Begriff „Früheisenzeit“ für dieses Zeitalter.
Die Ausstellung verdeutlicht, dass in dem betrachteten Zeitraum offensichtlich gewaltige Umwälzungen unbekannter Ursache den Niedergang der Palastkultur bewirkten, dass anscheinend extreme Unsicherheit die Siedlungsaktivitäten beeinflussten. Aus Funden des 11. Jhdts auf Kreta und einigen ägäischen Inseln könnte geschlossen werden, dass die ständige Bedrohung durch Piraten (oder auch Seevölker) die Bevölkerung gezwungen hat, sich an hochgelegene und unzugängliche Plätze zurückzuziehen. Auch hat sich in den Bestattungsriten einiges geändert: es wurden im Wesentlichen die Einäscherung aber auch vereinzelt wieder die Körperbestattung und Mischformen entdeckt. Handwerkliche Fähigkeiten wie z. B. das Töpfern erreichten einen Tiefpunkt. Alle Symptome deuten auf umfangreiche Wanderungsbewegungen und Vermischung mit anderen Kulturen hin.
Hier scheint sich nun Zypern als Bewahrer der mykenischen Kultur einzuklinken. Aus Funden von dieser größten Mittelmeerinsel lässt sich schließen, dass es in Zypern diese starken kulturellen Brüche der Dark Ages wie auf den griechischen Inseln nicht gegeben hat.
Hier wurde die mykenische Kultur noch lange bewahrt und sogar später wieder auf die ägäischen Inseln reimportiert.
Eine Verbindung zu Homer und seinen trojanischen Helden lässt sich für die Dark Ages insoweit herstellen, als die Helden wie Agamemnon, Achilleus oder Odysseus sogenannte basileîs, Kleinkönige, waren, wie sie etwa ab dem 10. Jhdt. in der Ägäis und später auch auf Zypern nachgewiesen wurden. Ein herausragender Fund aus dieser Zeit ist das „Heroon“ von Lefkandi auf Euböa. Hier wurde ein basileus und offensichtlicher Held im homerischen Sinne luxuriös an der Seite einer jungen Frau bestattet. Das Besondere: der Mann wurde eingeäschert, während die Frau und 4 Pferde daneben erdbestattet wurden.
Aber nicht nur die Verbindung zu Zypern und die gegenseitige kulturelle Beeinflussung sind prägend für die Dark Ages sondern auch der Kontakt zu den Phöniziern und damit zu vorderasiatischen Einflüssen. Aus diesen Kontakten entwickelt sich um 800 v. Chr. schließlich die griechische Schrift, mit der sich das archaische Zeitalter mit der Entwicklung der griechischen Stadtstaaten ankündigt. Auch die Kunst und das Handwerk begannen wieder zu hoher Blüte aufzulaufen.
Die Ausstellung bemühte sich mit ihrem Aufbau und der Auswahl der Exponate um die nötige Transparenz für den Besucher und bot einen recht guten Überblick über die derzeitigen Erkenntnisse zu den Dark Ages.


Blick in die Sonderausstellung „Zeit der Helden“