Dem Königshof von Bruchsal noch nie so nah
war Dr. Martin Thoma aus Stuttgart mit seinem gleichnamigen Vortrag, den er am 28.01.2009 im Rahmen der Stettfelder Abendvorträge im Römerkeller Stettfeld hielt.
Ein geplanter Einkaufskomplex im historischen Zentrum Bruchsals war im Frühjahr 2008 der Anlass zu einer intensiven Rettungsgrabung direkt hinter der Bruchsaler Stadtkirche bzw. der Marienkirche. Dr. Thoma war hier der Grabungsleiter.
Das Areal hinter der Marienkirche ist seit der Bombardierung von 1945 nicht wieder bebaut worden und diente seitdem als Parkplatz.
Zunächst wurde direkt unter dem Asphalt jede Menge Kriegsschutt von der Stabbrandbombe über Reste der Maßwerksteine der ausgebrannten Marienkirche bis hin zu ehemaligen Gebrauchsgegenständen von den Archäologen gefunden. Je tiefer sie gruben, desto spannender wurde es: zunächst tauchte die Treppe zum Keller des ehemaligen Pfarrhauses auf. Unter dem Kellerboden fand sich Hausrat aus dem 17. Jahrhundert. In den nächsten Schichten fanden sich Scherben aus dem 13. Jahrhundert bis man schließlich sogar auf römische Spuren stieß.
Selbst Relikte aus der Jungsteinzeit wurden in Schwemmschichten gefunden, die allerdings wohl von den auf den Hügeln bei Bruchsal nachgewiesenen Siedlungen der Michelsberger Kultur stammten.
Als kleine Sensation wurde der Fund einer aufwändig erbauten Mauer empfunden, die schließlich mit großer Wahrscheinlichkeit als Teil des Kellers eines Gebäudes des lang gesuchten Königshofes der ottonischen Zeit identifiziert wurde. Indizien hierzu waren Scherben von hochwertigem Geschirr aus dem 9. Jhdt. und die Tatsache, dass die zum Königshof gehörende Basilika mit ziemlicher Sicherheit mit den unter der Marienkirche entdeckten Mauern identisch ist.
Mit dieser Rettungsgrabung kann die Geschichte Bruchsals von der Römerzeit bis heute jetzt etwas genauer geschrieben werden. Mit seinen Einblendungen von Zeichnungen und zeitgenössischen Bildern hat Dr. Thoma exzellent veranschaulicht, wie man sich die Lebensumstände der Bewohner Bruchsals in den einzelnen Geschichtsphasen vorzustellen hat. Dank seiner geschickten Kombination statischer Grabungsfotos mit Videoeinblendungen der Grabungsabläufe entstand für die Anwesenden ein außerordentlich lebendiges Bild von der Archäologie.