Von Livia bis Theodora - Frauenfrisuren der römischen Kaiserzeit

Stettfelder Abendvortrag am 14.02.2008 von Dr. Daniela Maria Ziegler aus Heidelberg:
Um eines vorweg zu nehmen: Auf den Köpfen der römischen Kaiser-Gattinnen war lange nicht alles echt, was sich da zum Teil gewagt in die Höhe türmte oder in kunstvolle Löckchen gelegt war. Und natürlich unterlagen auch die Damenfrisuren in der Antike dem Diktat der herrschenden Mode so sehr, dass Frauenabbildungen schon anhand ihrer Haartracht einer bestimmten Kaiserzeit zugeordnet werden können. Dr. Ziegler zeigte einen Querschnitt unterschiedlichster Frisuren angefangen bei Livia, der Gattin von Kaiser Augustus aus der Zeit von 27 v. Chr. bis 14 n. Chr. bis hin zum 4. Jahrhundert und damit der Zeit des beginnenden Christentums.
Auf Münzen, rundplastischen Portraits, Malereien und Reliefs sind sowohl die Gattinnen der Kaiser als auch Privatpersonen dargestellt. Dabei handelte es sich nachweislich stets um ernsthafte Abbildungen, niemals um karikaturistische. Wellen, Zöpfe, Knoten und immer wieder Löckchen in unterschiedlichen Ausgestaltungen prägten die Frisuren in den damaligen Epochen. Die kaiserlichen Damen gaben häufig den Stil vor, der von den anderen kopiert wurde, um die Loyalität zum Kaiser zu demonstrieren. Aber auch Angleichungen an Göttinnen waren beliebt, beispielsweise durch eine Lockensträhne, wie sie die Venus trug.



Gleich neun verschiedene Frisurentypen kreierte Faustina minor, Tochter von Kaiser Antoninus Pius und Ehefrau von Marc Aurel im 2. Jahrhundert n. Chr.. Sie widmete jeder Geburt ihrer neun Kinder eine neue Frisur. Im 3. Jahrhundert dann waren haubenartige Perücken „in“. Sie wurden von den Bildhauern durch die Verwendung von zwei verschiedenen Gesteinssorten für Gesicht und Haare zum Ausdruck gebracht. In der frühchristlichen Zeit unterlagen die Frisuren einem Wandel, so dass nun auf den Abbildungen eine Unterscheidung zwischen Haar und Haube nicht mehr eindeutig möglich ist. Die Gesichter sind dicht umrahmt, die Augen werden deutlich betont, der Mund ist eher klein, wie man es von Ikonen her kennt. Über die Alltagstauglichkeit der meisten abgebildeten Frisuren kann kaum eine Aussage getroffen werden. Natürlich zeigten die Portraits immer die Idealfrisuren zu Repräsentationszwecken.