Kaiser Traian – wirklich der „beste Herrscher“?

lautete die Frage von Michael Schimmelpfennig, dem 1. Vorsitzenden des Freundeskreises, die er am Mittwoch, dem 24.09.2008, im Rahmen der Stettfelder Abendvorträge zu beantworten suchte.
Rund 70 Besucher des Römerkellers Stettfeld erlebten zunächst die Lichtbilderpräsentation der wichtigsten Baudenkmäler, Statuen, Münzen und Gemälde im Zusammenhang mit dem hochgelobten Kaiser - schon zu Lebzeiten Optimus Princeps genannt. Als Einzigem nach dem sagenhaften Romulus wurde ihm die Ehre der Urnenbestattung in der Sockelkammer der Traianssäule innerhalb der sakralen Stadtgrenze Roms zuteil.
Es folgte ein kurzer geschichtlicher Abriss der Lebenszeit Traians von 53 bis 117 n. Chr. und speziell seiner Regierungszeit von 98 - 117. Der Referent zitierte aus verschiedenen Quellen, die naturgemäß keine absolut sicheren Aussagen zuließen, weil sie zum Teil erst lange nach Traian entstanden. Allen war aber eins gemeinsam: die Aussage, dass er ein „humaner“ Herrscher war, der für die Sorgen und Nöte der Untertanen Verständnis aufbrachte und vielfach spontan für Gerechtigkeit sorgte.
Natürlich wurden eifrig Legenden über ihn gestrickt, wie z. B. die vom alten Weib am Wegesrand, das den in den Krieg ziehenden Kaiser anflehte, die Mörder ihres Sohnes zu bestrafen, was dieser dann auch befahl.
Diese Gerechtigkeitsliebe Traians hat Papst Gregor den Großen (590 – 604 Papst) nach der Überlieferung veranlasst, den Heiden Traian zum Heiligen zu stilisieren.
Ähnlich positiv äußern sich Plinius der Jüngere und Tacitus als Zeitgenossen sowie Cassius Dio rund hundert Jahre später über den ersten Adoptivkaiser (adoptiert von Nerva), zu dessen Regierungszeit das Römische Reich seine größte geografische Ausdehnung hatte.
Natürlich hat auch dieser Imperator wie alle seine Vorgänger und Nachfahren viele Eroberungsfeldzüge geführt und damit den „Barbarenvölkern“ großes Leid zugefügt. Diese Kehrseite wurde aber im Vortrag bewusst ausgespart, weil sie nicht nach heutigen Maßstäben zu beurteilen ist.
Gemeinsam mit Helmut Hess, dem 2. Vorsitzenden des Freundeskreises, folgte die Präsentation des einzigartigen und historisch belegten Briefwechsels des Kaisers mit Plinius dem Jüngeren, dem römischen Schriftsteller und Statthalter in einer Provinz am Schwarzen Meer.
In einer Folge von schlichten Anfragen zu Problemen aus den täglichen Aufgaben des Statthalters und den ebenso schlichten und aus heutigem humanen Verständnis heraus außerordentlich plausiblen Antworten des Kaisers haben beide Sprecher einen eindrucksvollen Dialog bestritten.
Die Quintessenz daraus und aus dem vorher Gehörten konnte nur lauten: Marcus Ulpius Traianus war wirklich der Princeps Optimus der damaligen Zeit.


H. Hess (li.) und M. Schimmelpfennig (re.) mit Plinius in der Mitte bei der Präsentation des Schriftwechsels