Kaiser Caracalla - Größe und Wahnsinn

Am Mittwoch, dem 25.01. 2006 um 19.00 Uhr begann Dieter Balle aus Durmersheim im Römerkeller seinen Bericht über den Soldatenkaiser Marcus Aurelius Severus Antoninus, genannt Caracalla wegen seiner Vorliebe für den gallischen Kapuzenmantel caracallum. Balles Interesse an Caracalla hat zwei Wurzeln: zum einen hat ihn auf einer Reise durch Kurdistan fasziniert, dass an einer römischen Brücke von ursprünglich vier Säulen mit Weiheinschriften der kaiserlichen Familie des Septimius Severus, des Vaters von Caracalla, eine fehlte. Der zweite Grund war die vermutete Beziehung Caracallas zu Baden-Baden, der Stadt, in der H. Balle in der Erwachsenenbildung wirkt.

Voller Spannung erlebten die Besucher des Römerkellers die Entwicklung Caracallas (188 - 217) vom kindlichen Cäsar mit 8 zum Augustus mit 10 Jahren bis er schließlich nach des Vaters Tod mit 23 gemeinsam mit seinem Bruder Geta Kaiser wurde. Seine Mutter Julia Domna war bei der Einsetzung der ungleichen Brüder zu gleichberechtigten Kaisern die treibende Kraft und musste mit ansehen, wie Caracalla alles daran setzte, seinen verhassten Bruder aus dem Weg zu räumen. Dies gelang ihm schließlich im Jahr 212, ein Jahr nach der Erlangung der Kaiserwürde. Er bemühte sich nun, die Erinnerung an seinen Bruder im gesamten Reich zu tilgen, indem er alle Parteigänger Getas umbringen und alle an ihn erinnernden Bauwerke und Inschriften zerstören ließ - so auch die oben erwähnte Säule in Kurdistan. Auch seine noch vom Vater zwangsweise mit ihm vermählte Gattin Plautilla und deren Vater fielen dem Hass Caracallas zum Opfer. Lediglich seine Mutter hat sich nach dem Tod Getas, ihres Lieblingssohnes, aus politischem Kalkül Caracalla zugewendet und Ihn bis zuletzt unterstützt.
Caracalla, der Soldatenkaiser, verließ sich voll und ganz auf das Militär, das er mit großzügigen Solderhöhungen (unter anderem durch die Einführung einer neuen Münze, des Antonian) verwöhnte. Dank der Constitutio Antoniana, des neuen römischen Bürgerrechts für alle freigeborenen Bewohner des Reiches, wurden auch seine Soldaten z. B. aus Asien, Afrika, Spanien, Gallien, Britannien, Germanien mit den Italikern gleichgestellt.

In Rom erinnert ein besonderes Baudenkmal, die Caracalla-Thermen, daran, dass er die ursprünglich von Marc Aurel begonnenen und später von seinem Vater fortgeführten Arbeiten an dem gewaltigen Bauwerk vollendet hat.
Angeblich hat er auf seinen vielen Reisen auch Baden-Baden mit seinen Kaiserthermen und Soldatenbädern besucht und den Ausbau gefördert. Die Stadt hat ihm vor einigen Jahren mit den Caracalla-Thermen ein spätes Denkmal gesetzt.

Als Feldherr war er gegen die Germanen und später im Osten gegen die Parther erfolgreich. Als großen Verehrer von Alexander dem Großen, aber auch von Achill und Herkules aus der griechischen Mythologie zog es ihn nach Alexandria ans Grab seines Helden. Dort wurde eine Satire auf die Umstände von Getas Tod bekannt. Daraufhin ließ Caracalla ein Blutbad unter Alexandrias Bewohnern anrichten.
Der Druck Caracallas auf seine Umgebung blieb nicht ohne Folgen: im Jahr 217 - er befand sich mit seinem Gefolge auf dem Weg nach Carrhae in Mesopotamien - wurde er im Alter von 29 Jahren beim Verrichten seiner Notdurft von einem Mitglied der Prätorianer-Garde am Wegesrand ganz unrühmlich erschlagen.