Krieg - Sache der Männer?
Lichtbildervortrag am 15.02.2006 von Frau Dr. Rosmarie Günther aus Mannheim:
Die provozierende Frage hat es in sich. Kriege als gewaltsame Auseinandersetzung zwischen menschlichen Gemeinschaften werden im Allgemeinen bis in unsere Zeit von Männern angezettelt und auch durchgeführt. Bis auf wenige Ausnahmen in der Geschichte gelten sie beinahe bis heute als Ausdruck der männlichen Tapferkeit (virtus) im Gegensatz zur Keuschheit (pudicitia) der Frauen.
Natürlich hat es auch Beispiele kriegerischer Frauen gegeben. Die Amazonen aus Homers Ilias werden meist genannt. Sie sollen vor allem die griechische Insel Lemnos besiedelt haben. Allem Anschein nach hat es sie sogar gegeben, wie archäologische Funde von Waffen und Schmuck als gleichzeitige Grabbeigaben zu beweisen scheinen. In modernen bewaffneten Truppen dienen inzwischen auch Frauen, obwohl sie oft unter sexuellen Übergriffen zu leiden haben. Beispiele aus jüngster Vergangenheit zeigen, dass sie sich meist durch besonderen Ehrgeiz, Geschicklichkeit und Tapferkeit auszeichnen.
Auch von Heerführerinnen wird aus der Antike berichtet: Die Römerin Fulvia, die Gemahlin des Antonius, führte Krieg gegen Octavian, den späteren Kaiser Augustus, und Boudica, die britannische Königin, hat in einem Massenaufstand mit ihrem Heer den römischen Besatzern erhebliche Verluste beigebracht. In beiden Fällen haben aber besondere Umstände bzw. das Versagen der Männer die Frauen in diese Ausnahmesituation gebracht.
Frauen als Mütter und Ehefrauen der Krieger und "Helden" tragen natürlich Mitverantwortung und können auch für die Auslösung von Kriegen durch ihre Söhne und Gatten verantwortlich sein, wie die Geschichte vielfach beweist.
Die Kriege selbst und ihre Folgen machen die Masse der Frauen (und Kinder) aber meist zu Opfern. Sie werden bis heute geschändet und versklavt. Während den Männern Gewalt gegen wehrlose Frauen und Kinder und sexuelle Übergriffe noch bis vor Kurzem nachgesehen wurde, haben die Opfer meist ein Leben lang unter den Folgen zu leiden. Bezeichnend ist auch, dass noch Anfang des 20. Jhdts. in der Genfer Konvention lediglich die waffentragenden "Kombattanten" z. B. als Kriegsgefangene einen gewissen Schutz versprochen bekamen, während gegenüber zivilen Kriegsopfern - meist den Frauen - keinerlei Rücksicht genommen werden musste.
Von der Antike bis heute gilt also: der Krieg ist immer auch eine Sache der Frauen.