Wasserleitungen in der Antike - Schwerpunkt Römisches Reich

Vortrag am 26.01.2005 von Birgit Regner-Kamlah aus Bruchsal:
Für die Nichttechniker hat die Vortragende sehr anschaulich zuerst Fachausdrücke wie z. B. Hydrologie, Hydraulik, Hydrotechnik, Freispiegelleitung, Druckleitung und kommunizierende Röhren anhand von vielen, auch historischen Grafiken, Fotos und Skizzen erläutert, um dann in die Geschichte der Wasserversorgung einzusteigen.
Bereits im 6. Jahrtausend v. Chr. wurden in Ägypten, Mesopotamien und am Indus Kanäle, Deiche und Schöpfwerke angelegt. Im 3. Jahrtausend v. Chr. begann mit der Entwicklung von stadtähnlichen Siedlungen die kommunale Wasserversorgung durch Zisternen und Brunnen. In Griechenland wurde ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. Quellwasser in Ton- oder Steinrohren zu den öffentlichen Brunnen in den Städten geführt. Naturphilosophen wie Thales von Milet, Platon und Aristoteles beschrieben den Wasserkreislauf (Hydrologie) und Archimedes von Syrakus befasste sich als Erster mathematisch-physikalisch mit der Hydraulik, dem Verhalten von Wasser. Die Erkenntnisse wurden aber nicht in die Praxis umgesetzt. Der griechische Wasserbauingenieur verließ sich hingegen auf seine Erfahrung aus Erfolg und Misserfolg. So entstanden ganz hervorragende hydrotechnische Anlagen wie z. B. die Wasserversorgung der Stadt Pergamon.
Das Wissen der römischen Baumeister setzte auf den Erfahrungen der Griechen und Etrusker auf. Bis zum 2. Jahrhundert n. Chr. erreichte die römische Hydrotechnik ihren höchsten Stand.
Ein Wegbereiter der fortschrittlichen Wasserversorgung war Vitruv (1. Jhdt. v. Chr.), der in seinem 10bändigen Werk "De architectura libri decem" unter anderem sehr ausführlich über die Wasserbautechnik der damaligen Zeit schreibt.
Zum Beispiel berichtet auch Sextus Julius Frontinus, der von 97-103 n. Chr. in Rom Wassermeister (curator aquarum) war, in "De aquaeductu urbis romae" ausführlich über die Wasserversorgung der Stadt Rom.. Mit einem Personal von 700 Leuten hielt er die Wasserleitungen in und außerhalb der Stadt in Ordnung. Er war zuständig für die gerechte Verteilung des Wassers, für Fragen des Wasserrechts und nur dem Kaiser allein verantwortlich.
Nicht nur in Rom wurden Wasserleitungen gebaut. Überall im römischen Reich finden sich heute noch beeindruckende Reste der römischen Wasserleitungen. Die bekannteste Aquäduktbrücke ist wohl die Pont du Gard bei Nîmes, die in einer Höhe von 50 Metern ein Tal überquert. Andere noch vorhandene Bauwerke finden sich auch nördlich der Alpen, wie die Wasserversorgung der Stadt Mainz oder die Eifelwasserleitung für die römische Stadt Köln, die mit einer Länge von 98 km zu den längsten bekannten römischen Wasserleitungen zählt.
Dass die Römer nicht nur exzellente Ingenieure waren, sondern auch wirtschaftliche Betrachtungen in die Planung einer Wasserleitung einbrachten, haben Mitarbeiter der TH Aachen herausgefunden. Es wurde folgendermaßen gerechnet: 27,4 Manntage pro fertigen Meter Kanal, 43,3 Manntage pro Meter Tunnelbau und 85,2 Manntage pro Meter Aquädukt. Eine Talumfahrung mit einem Kanal wurde also teurer als ein Aquädukt, wenn der Kanal dreimal länger als die eventuelle Bogenbrücke wurde.
Eine Spezialität waren Talüberquerungen durch Druckleitungen. Bis zu 160 Meter tiefe Täler konnten auf diese Weise mit geringem Druckverlust überquert werden. Das Wasser wurde in bis zu zwölf nebeneinander liegenden Rohren aus Blei geführt. Der Materialaufwand war erheblich. Für eine der Wasserleitungen nach Lyon wurden vier Druckwasserleitungen gebaut, für die 35 bis 40 Tsd. Tonnen Blei verarbeitet wurden.
Viele weitere Beispiele und interessante technische Daten, zusammen mit entsprechendem Bildmaterial, führten uns weiter durch die römische Wasserwelt.
Etwa 500 l Wasser wurden für den privaten Verbrauch und die öffentlichen Thermen in Rom täglich pro Kopf verbraucht. Heute liegt der tägliche Wasserverbrauch in Deutschland im Schnitt bei 150 l pro Person. Der einfache Grund dafür ist, dass wir heute mit einem Wasserhahn den Fluss des Wassers regulieren und auch abstellen können. In der Antike lief das Wasser ständig durch die Leitungen, ob es gerade gebraucht wurde oder nicht.