Dein Nachbar- der Römer
Vortrag am 09.02.2005 von Dr. Rosmarie Günther aus Mannheim:
Der Vortrag befasste sich mit Sitten und Gebräuchen im römisch besetzten Germanien der frühen Kaiserzeit. Das betrachtete Gebiet wurde geographisch in etwa durch Schwarzenacker im Westen, Mainz im Norden, Stuttgart im Süden und den Limes im Osten begrenzt. Als Leitfigur und repräsentativer Vertreter der römischen Besatzer in unserem Raum diente ein römischer Legionär aus Oberitalien. Er hielt sich in Britannien und Germanien auf und starb als Veteran in Mainz. Er führte in der Zeit nach der römischen Eroberung in römisches Lagerleben in den Kastellen und Vici ein und zeigte die gegenseitige Beeinflussung von keltisch-germanischem und römischem Kulturgut. In allen Lebensbereichen fand diese Kulturvermischung ihren Niederschlag: in der Landwirtschaft, dem Handel, dem Handwerk, dem Wohnungsbau, der Kleidung und der Sozialstruktur. Am ausgeprägtesten wurde die gegenseitige Durchdringung im Kontext der Religion wahrgenommen. Z.B. fand der römische Merkur als Visuccio im Norden Anerkennung, während die keltische Pferdegöttin Epona bis nach Rom gelangte. Ein ganz eigenes Monument wurde in den germanischen Provinzen entwickelt: die so genannten Jupitergigantensäulen mit den römischen Göttern an der Basis und einem reitenden Jupiter an der Spitze.
Besonders lebhaft wurde der in Stettfeld gefundene Vierwegegöttinnenstein, der heute im Reiß-Museum in Mannheim steht, diskutiert und eine dem Auditorium neue Deutung vorgestellt.
Die Vortragende hat ihre Informationen sehr anschaulich durch viele Lichtbilder und Folien unterstützt und damit eine Zeit lebendig werden lassen, die die Entwicklung unseres Raums nachhaltig beeinflusst hat. Sie hat die besondere Struktur des römischen Weltreiches und seiner Provinzen mit durch ihre Leistung und nicht durch ihre Herkunft profilierten Bürgern der unterschiedlichsten Rassen deutlich gemacht.