Die Kelten, unsere vergessenen Vorfahren
Vortrag am 16.11.05 von Dieter Balle, Durmersheim:
Neben den Germanen waren die Kelten das prägende Volk des prähistorischen Europa.
Ihr eigentlicher Ursprung liegt im Dunkel. Berichte über Kelten gibt es nur aus zweiter Hand, eine keltische Schrift ist nicht überliefert. Durch Ausgrabungen und gestützt auf Berichte der Griechen und Römer kann man sich inzwischen ein Bild vom Verbreitungsgebiet, ihrer Kultur und ihrer Organisation machen.
Nach den bedeutendsten Fundorten keltischer Siedlungen wird die Hallstattzeit (750 - 500 v. Chr.) und die Latenezeit (480 - Chr. Geburt) definiert. In die Hallstattzeit (nach Hallstatt im Salzkammergut) fallen auch die wichtigsten deutschen Fundorte Heuneburg, Hohenasperg, Hohmichele, Hochdorf u. a.
Schon der griechische Geschichtsschreiber Herodot (484 - 430 v. Chr.) erwähnt einen Bericht aus dem 6. Jhdt. v. Chr., in dem von einer Stadt namens Pyrene im Keltenland am Oberlauf der Donau die Rede ist. Vermutlich war die heutige Heuneburg gemeint.
In der Hallstattzeit waren die Kelten wohl von Ostfrankreich bis Böhmen verbreitet. Später - in der Latenezeit - setzte offensichtlich eine große, teilweise kriegerische Wanderungsbewegung ein. Es gab aber keinen großen zusammenhängenden Volksverband sondern einzelne Stämme unter Leitung von sogenannten Fürsten (siehe Fürstengrab von Hochdorf).
Die Kelten haben schließlich bis ins 3. Jhdt. v. Chr. ein Gebiet von der iberischen Halbinsel über Frankreich (Gallien), die britischen Inseln, Mitteleuropa, die Alpenregion, z. T. Italien (385 v. Chr. Belagerung von Rom), den Balkan (Thraker) bis zur heutigen Türkei (Galater) besiedelt.
Erst die von Norden vordringenden Germanen und die von Süden expandierenden Römer bereiten der keltischen Ausdehnung ein Ende. Schließlich wird die keltische Selbständigkeit in unserer Heimat mit der Besetzung des Donausüdufers um 40 n. Chr. durch die Römer endgültig beendet.
Die Ausgrabungen der jüngsten Zeit zeigen aber deutlich, dass die Kelten uns viele heute für uns selbstverständliche Dinge vererbt haben.
Sie waren schon sesshaft, als die Germanen noch Nomaden waren. Sie betrieben Ackerbau und Viehzucht z. T. mit auch heute noch gebräuchlichen Werkzeugen. Der Pflug, die Sense und die Sichel, aus Eisen geschmiedet, sind wohl von den Kelten entwickelt worden. Sie bauten Dinkel, Emmer, Einkorn, Gerste, Hirse, Bohnen, Linsen, Mohn und Lein an. Pferde, Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine, Hunde und sogar Hühner wurden domestiziert. Neben den bei uns üblichen Fleischlieferanten landeten aber auch Pferde und Hunde im Kochtopf. Bejagt wurden der Auerochs, Hirsche, Rehe, Wildschweine und sogar Bären. Hunde wurden zur Jagd abgerichtet.
Sie bauten große Fachwerkhäuser mit Stroh- oder Schindeldächern und waren handwerklich schon stark spezialisiert. Zeugnisse in Form von Textilfunden und Gold-, Silber- oder Bronzeschmuck bzw. Waffen beweisen großes handwerkliches Können. Selbst unser heutiges Holzfass gilt als von keltischen Handwerkern entwickelt.
Ihre Handelsbeziehungen erstreckten sich nach Norden ebenso wie nach Osten und weit bis in den Mittelmeerraum.
Auch die Kelten hielten bereits Sklaven, die vermutlich auch den Göttern geopfert wurden. Ihre Mythologie handelt von Seelenwanderung und ist wohl für die fehlende Schrift verantwortlich. Keltische Gottheiten wurden teilweise von den Römern übernommen - siehe die Pferdegöttin Epona.
Die Kelten kannten sowohl die Körperbestattung als auch die Einäscherung.
Alles in allem, den keltischen Vorfahren haben wir sehr viel zu verdanken. Die teilweise sehr negative Berichterstattung durch Griechen und Römer - es ist von Barbaren die Rede - haben sie sicher nicht verdient.