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  RÜckblick    Berichte 2018    06.12.2018  

Am Bruhrain - Natur- und kulturgeschichtliche Eindrücke aus einer geschichtlich alten Region

m 06.12. führte unser Mitglied Jürgen Alberti die 35 Zuhörer seines Vortrages in die Kultur- und Naturgeschichte unseres näheren Heimatgebietes, des Bruhrains, ein.

Direkt vor der Haustür gelegen, kennen doch die wenigsten Zuhörer die wunderschönen Jugendstilbauten Hockenheims. Neben der Realschule, glänzt hier besonders die St. Georg-Kirche mit einer prächtigen Ausstattung aus dieser Epoche. Die Stadt Waghäusel besitzt mit Schloss, Eremitage und den Kavaliershäusern ebenfalls ein Kleinod, welches restauriert in neuem Glanze erstrahlt. Die Silotürme der 1836 gegründeten Zuckerfabrik trüben zwar noch den Gesamteindruck – allerdings gäbe es ohne diese ein zweites Highlight vor Ort nicht: die Klärteiche der Fabrik, welche durch ihren Nährstoffreichtum ein Paradies für seltene Vögel aller Arten bieten. Mit etwas Glück kann man dort den Kormoran, Eisvogel oder den Rotschenkel erblicken, wie uns Jürgen Alberti anhand seiner Fotografien bewies. Das in der Nähe gelegene und nach den hier in der Vergangenheit mehrfach durchgezogenen französischen Soldaten „Klein Frankreich“ genannte und extrem trockene Naturschutzgebiet, wartet mit der Großen Kaiserwespe oder dem Roten Sauerampfer auf – Tieren und Pflanzen, die durch die momentane Klimaerwärmung sogar noch profitieren.

Der Ortsteil Kirrlach wiederum kann mit einem seltenen flämischen Schnitzaltar aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts glänzen, welcher 1802 durch einen ortsansässigen Gastwirt für gerade einmal 10 Gulden bei der Säkularisation des Augustinerklosters in Wiesloch erworben wurde. Es dauerte eine lange Zeit, bis der Altar nach einem Irrweg und einer gründlichen Restaurierung endlich 1904 seinen festen Platz in der Pfarrkirche „St. Kornelius und Cyprian“ fand und zu deren Schmuckstück wurde. Weiter südlich kann Stutensee mit seinem Schloss und dem wunderschönen Baumbestand überzeugen, in welchem sich die Hirschkäfer inzwischen pudelwohl fühlen. Gewässerte Wiesen werden durch die Zufuhr des Wassers für die Fütterung des Viehbestandes interessant und gleichzeitig durch die enthaltenen Schwebstoffe maßvoll gedüngt, so dass sich auch hier eine wundervolle neue Flora und Fauna entwickeln konnte. Die artenreiche Landschaft am Altrhein in Philippsburg mit Kröten, Feuerlibellen, Wassernuss oder Wasserschlauch ist hingegen noch ein Relikt des einstmals ursprünglichen Feuchtauengebietes.

Ein Abstecher zu den Jurawiesen zwischen Mingolsheim, Malsch und Langenbrücken läutete das nahe Ende des Vortrages ein. Dennoch gab es auch hier noch einmal faszinierende Bilder und Geschichten – wie die des Bläulings, dessen Larve räuberisch in einem Wiesenameisennest lebt, bevor sie sich im April verpuppt und im Juli zu einem schönen Schmetterling entwickelt. Etwas melancholisch wurde es dann auch noch, denn die Bilder von einer großen Schwalbenschar in den alten Scheunen dürften durch Umnutzung dieser Bauten und starken Insektizideinsatz schon der Vergangenheit angehören. Jedenfalls konnte Jürgen Alberti die zahlreichen Zuhörer wieder einmal davon überzeugen, dass das Gute eigentlich so nah liegt!