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Berichte zu den Veranstaltungen des Freundeskreises Römermuseum
Bericht über den Stettfelder Abendvortrag am 26.11.2007:
Aspekte des Alters in der Antike und heute

Dr. Rosmarie Günther, die Referentin des Abends, zeigte anhand verschiedener Fotos, welchen Wandel das Thema „Alter“ in unterschiedlichen Herrschaftsformen unterlag.
Dabei waren „alt sein und sich alt fühlen“ schon immer unterschiedliche Phänomene.
Schon in der Ilias, dem ältesten erhaltenen Werk der griechischen Literatur, empfiehlt Homer „die Erfahrung des alten Menschen nutzbar zu machen, selbst wenn seine Kraft zum Kämpfen nicht mehr reicht.“
Je nach der jeweils herrschenden Gesellschaftsform wurden alte Menschen positiv oder negativ klassifiziert.
So zielte in Sparta alles darauf ab, den Älteren Respekt zu zollen und ihnen die Macht zu überlassen. Vom griechischen Schriftsteller Xenophon ist überliefert: „Jeder gerade anwesende Erwachsene kann den Knaben vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben.“ Aber auch erwachsene Männer hatten sich den älteren Herren zu unterwerfen. Gehorsam und Respekt vor dem Alter waren die Pfeiler dieser Gesellschaft. Die Alten galten als unangreifbar. Hinzu kam, dass keine Besitzübertragung vom Vater auf den Sohn üblich war, d. h. es bestand keine wirtschaftliche Abhängigkeit zwischen den Generationen. Durch dieses spartanische Modell wurden mögliche Konflikte zwischen Alten und Jungen generell unterdrückt.
Auch in der patriarchalischen Gesellschaft von Rom galt das Recht des Vaters über den Sohn sowie über dessen Nachfolger. Den Zusammenhang zwischen Alter und Macht beschreibt Cicero: „Achtungsgebietend ist Alter nur dann, wenn das Alter sich zu schützen weiß und Herr über die Seinen bleibt.“
Völlig anders stellt sich das Alter in Griechenland bei den Vätern der Demokratie dar. Die großen antiken Tragiker Sophokles, Aischylos und Euripides trauern der Jugend nach und beklagen das Alter.
Die griechische Komödie geht auf das Verhältnis zwischen Alt und Jung und in der bekannten Sokrates-Auseinandersetzung in den Wolken des Dichters Aristophanes ein, bei der ein Sohn seinem Vater wenig Respekt zukommen lässt, ihn gar verprügelt.
Auch auf Vasenbildern ist die negative Altersoptik ersichtlich, so erschlägt auf einer Darstellung Herakles einen alten Mann mit einer Keule. Finden Frauen in Sparta und Rom nur wenig Erwähnung, so werden sie in dieser Zeit um 480 v. Chr. im Alter wenig freundlich abgebildet und als Hexe beschrieben.
Nach diesen Ausführungen stellte Dr. Günther sich und dem Auditorium die Frage, ob die Demokratie an sich eine altersfeindliche Gesellschaft sei und kommt zu dem Schluss, dass sicherlich auch unsere heutige Gesellschaft stark jugendorientiert ist. Die „Grauen Panther“ von Trude Unruh machten dann vor mehr als 30 Jahren wieder auf die ältere Generation aufmerksam.
Gerade über diese Aspekte des Stellenwertes von Alt und Jung im Zeitverlauf wurde im Anschluss an den Vortrag rege diskutiert, wobei Frau Dr. Günther am Ende einen Appell an junge und alte Menschen richtete, sich vor allem gegenseitig zu respektieren, den Dialog miteinander aufzunehmen, um gegenseitiges Verständnis für einander zu erreichen. Möglichkeiten hierzu bietet beispielsweise der Geschichtswettbewerb der Körber-Stiftung unter dem Titel „Spurensuche“.
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