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Berichte zu den Veranstaltungen des Freundeskreises Römermuseum

Aktuelle Berichte finden Sie auf dieser Seite weiter unten, die anderen wurden zur besseren Übersicht in folgendes Archiv eingeordnet.


Archiv:

Berichte zu den Veranstaltungen des Freundeskreises Römermuseum

...an der Ecke zu Sunnesheim...

zur wiederentdeckten Stadtburg in Sinsheim

Dr. Folke Damminger vom Regierungspräsidium Karlsruhe berichtete am 13.04.2011 über eine wiederentdeckte Burg in der Altstadt von Sinsheim.
Als Grabungsleiter des damaligen Landesdenkmalamts Baden-Württemberg organisierte er von März bis November 2004 im Vorfeld der geplanten Errichtung eines Gebäudekomplexes mit Tiefgarage umfangreiche archäologische Ausgrabungen in der Burggasse in der Innenstadt von Sinsheim. Als einzige Spur verwies der Name der Burggasse auf die einstige Existenz einer Burg im Südwesten der Sinsheimer Altstadt. Von der örtlichen Forschung vielfach den hochmittelalterlichen Gaugrafen aus dem Geschlecht der Zeisolf-Wolframe zugewiesen, schien doch eine Identifikation mit dem um 1235 in den Schriftquellen erscheinenden Sitz des kaiserlichen Stadtvogts wahrscheinlicher.
Was anfangs nur ein Verdacht war, bestätigte sich mit Fortgang der Grabungsarbeiten. Stück für Stück konnte der annähernd vollständige Grundriss der gänzlich aus dem Stadtbild verschwundenen Befestigungsanlage in ihrer baulichen Entwicklung von der Zeit um 1300 bis in das 15. Jahrhundert freigelegt und untersucht werden.
Auf die ältesten Grubenbefunde aus der Zeit um 1200 folgte eine leichte Fachwerkbebauung, deren Strukturen in ihrer Orientierung dem noch heute gültigen Parzellennetz entsprechen. In der untersuchten Fläche ließen sich drei Bauphasen differenzieren. Die Schichten der jüngsten Bebauung liefen dabei gegen die im Verlauf des 13. Jahrhunderts errichtete Stadtmauer.

Der Zeitpunkt des Siedlungsbeginns auf dem Areal und die regelhafte Ausrichtung dieser frühesten Baustrukturen stützen die Hypothese der historischen Forschung, die in den 1192 durch Heinrich VI. erteilten Privilegien den entscheidenden Anstoß zur Stadtwerdung Sinsheims sieht. Physisch äußerte sich das in der Neuordnung der vorhergehenden Marktsiedlung zu der im heutigen Kataster aufscheinenden mittelalterlichen Stadt.
Obwohl sie möglicherweise schon früher existierte, erhielt die Burg erst mit einem um 1300 in die Stadtmauer-Ecke eingebauten Wohnturm mit dem Grundriss 10 m × 10 m ihre endgültige Gestalt. Begrenzt wurde das 22 m im Quadrat messende Burginnere gegen die Stadt hin von einer stumpf an die Stadtmauer angesetzten Umfassungsmauer von gleicher Stärke. Ein wohl im 14. Jahrhundert im Norden an diese Mauer angebautes Gebäude von 11 m × 7 m vervollständigte das Ensemble. Die im Vergleich zu Stadtmauer und Turm geringere Fundamentstärke spricht dafür, dass diese ein niedrigeres Steingebäude oder gar nur den Steinsockel eines Fachwerkbaus getragen hat.
Die durch zahlreiche Funde bezeugte Nutzung der Anlage währte bis in das 15. Jahrhundert. Der in den Schriftquellen für die Zeit vor 1512 belegte Abbau der Burg ließ sich auch archäologisch nachweisen. An ihrer Stelle wurde ein auf Stadtansichten des 17. Jahrhunderts - so etwa bei Merian - abgebildetes repräsentatives Gebäude von rund 9 m × 15 m Außenmaßen errichtet, das wahrscheinlich in den Jahren des Pfälzischen Erbfolgekrieges einem Brand zum Opfer fiel.
Bürgerschaftlichem Engagement und der einsichtigen Kommunalpolitik ist es zu verdanken, dass die Fundstelle erhalten und in die Gestaltung eines neu geschaffenen innerstädtischen Platzes einbezogen wurde.

Mehr als rote Zahlen

Inschriften und Spuren auf römischen Ziegeln

Unter diesem Titel hat Dr. Markus Scholz vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz aus Anlass der diesjährigen Sonderausstellung im Römermuseum am 29.03.2011 im Römerkeller Stettfeld referiert.

Mit vielen fotografischen Beweisstücken untermauert, überzeugte der Referent das Auditorium, dass römische Ziegel nicht nur Baumaterial, sondern auch vielfältige Informationsträger waren.

Die noch weichen Oberflächen von Ziegelrohlingen haben bisweilen Inschriften und Alltagsspuren unterschiedlicher Art aufgenommen, die durch den Brand im Ziegelofen konserviert wurden. Die noch weichen Oberflächen von Ziegelrohlingen haben bisweilen Inschriften und Alltagsspuren unterschiedlicher Art aufgenommen, die durch den Brand im Ziegelofen konserviert wurden. Während Stempel wegen ihres offiziellen Charakters traditionell eine hohe Aufmerksamkeit in der Forschung genießen, werden die Graffiti in der Literatur bisher eher beiläufig oder als einzelne Kuriositäten gewürdigt. Sie kommen seltener vor als Stempel bzw. gehen oft wohl unerkannt verloren. Das gilt auch für die unabsichtlich oder ohne erkennbare Motivation eingedrückten Spuren von Menschen, Tieren oder Gegenständen.

Die Graffiti erscheinen zunächst als situationsbezogene Notizen oder spontane Äußerungen. Im Gegensatz zu den Stempeln lassen sich fragmentarische Texte wegen ihres individuellen Charakters kaum rekonstruieren.
Besser erhaltene Graffiti gewähren aber teilweise bemerkenswerte Einblicke z.B. in Gesellschaft und Umgebung der Ziegeleien sowie in die Spielarten antiken Humors. Dabei genügt es nicht, nur die Inschriften isoliert zu betrachten, sondern gegebenenfalls alle Spuren auf einem Ziegel.
Dazu zwei Beispiele: Ein kaum anders als ironisch zu verstehender, in eine mehrere Kilogramm schwere Platte aus Bad Vilbel-Dortelweil geritzter "Liebesbrief" wurde offensichtlich durch die Trittspuren eines Hahns - in der Antike ein beliebtes Fruchtbarkeitssymbol - provoziert. Die Inschrift orientiert sich an der Laufspur.


Antiker Liebesbrief

Über die Hälfte der Oberfläche einer anderen Platte von der Saalburg wird von frischen Fußabdrücken, Sitz- und Knetspuren eines oder mehrerer Kleinkinder bedeckt. In einer noch unberührten Ecke, wiederum auf die Spuren Rücksicht nehmend, steht die Ritzinschrift Oreus (et) Monos (sunt) Cares, magis quam Laurentius = "Oreus und Monos sind Karier (= Unholde), noch mehr als Laurentius". Es liegt die Vermutung nahe, dass die offenbar unbeaufsichtigten Kleinkinder mit den griechischen Namen Oreus und Monos den Ziegelrohling regelrecht als Spielplatz missbrauchten. Statt den Ziegel erneut zu glätten, fügte ein Ziegler diesen launigen Kommentar hinzu. Kinder in der Legionsziegelei sind kein Einzelfall. Der Graffito wird erst durch die Kinderspuren verständlich.


Graffito mit Kinderspuren

Neben den Herstellerstempeln boten frisch gestrichene und zum Trocknen ausgelegte Ziegel auch Flächen für handschriftliche Notizen und Nachrichten, die Einblicke in die ausgeklügelte, schon beinahe industrielle Organisation von Ziegeleien gewähren.

Darüber hinaus reizte der feuchte Ziegelton zu allerlei Späßen, Beschimpfungen oder forderte quasi als preiswertes Schulheft zu Schreib- und Zeichenübungen von Kindern wie Erwachsenen heraus.



Der Brand der Ziegel hat der Nachwelt erstaunliche bis heitere Momente im Alltag und gesellschaftlichen Umfeld der Ziegler und Bauherren konserviert.

Zufällige Abdrücke und Tierspuren (z. B. ein Ziegel mit dem Abdruck einer erschlagenen Maus, die später einwandfrei von der Spezies her zu identifizieren war) überliefern ansonsten verlorene Begebenheiten des antiken Alltags und sind somit ebenfalls beredte Zeugen des antiken Lebens.


Antike Maus als Ziegelabdruck

Eröffnung der Sonderausstellung

Meißel - Griffel - Feder, Schreiben im Römischen Reich

im Römermuseum Stettfeld

Der Freundeskreis Römermuseum Stettfeld präsentierte am 23.03.2011 eine interessante, interaktive Sonderausstellung, Dauer 27.03 - 31.07.2011, über einen spannenden Bereich antiken Lebens.

Der Vorsitzende des Freundeskreises, Michael Schimmelpfennig, hob die Bedeutung einer solchen Ausstellung für die Attraktivität des Museums hervor und betonte, dass alles in Eigenregie erfolgte. Die wissenschaftliche Betreuung übernahm zum wiederholten Mal der Archäologe und Kenner des römischen Stettfeld, Dr. Peter Knötzele. Eigene Exponate, solche des Römisch-Germanischen Museums Mainz sowie private Leihgaben zeigen eine große Bandbreite des facettenreichen Themas.

In seinem Grußwort gab Bürgermeister Tony Löffler einen Überblick über die Entwicklung der Schrift von den Hieroglyphen über die Keilschrift bis hin zur Weiterentwicklung durch die Römer und die Bewahrung der Schreibkultur in den Klöstern.

Peter Knötzele führte anschließend anschaulich vor Augen, welche Bedeutung Schriftzeichen im täglichen Leben haben und bereits vor 1800 Jahren in Stettfeld hatten - vom Herstellerstempel auf dem Terra-Sigillata-Geschirr bis zur Gladiatorendarstellung auf dem Becher. Und selbst das Kleingedruckte sei keine Erfindung der Moderne, sondern ein Trick, der bereits in römischer Zeit angewendet wurde. Knötzele schlug einen Bogen zur modernen Kommunikation via Internet, die jedoch - nach der Fähigkeit zum Sprechen, der Erfindung der Schrift und des Buchdrucks - erst die vierte Entwicklungsstufe sei und überhaupt nur funktioniere, weil sie auf die Schrift zurückgreife.
Die Erfindung der Schrift könne als eine der großen Kulturleistungen der Menschheit verstanden werden, so der Archäologe, mit der es möglich wird, Raum und Zeit zu überwinden. Er machte bewusst, dass die lateinische Schrift in römischer Zeit bereits eine Jahrtausend lange Entwicklung hinter sich hatte und durch die Erhaltung unterschiedlicher Schriftträger wie Stein, Bein, Metall oder Keramik, gestalte sie die Vergangenheit lebendig.

Solche Zeugen einer längst vergangenen Epoche sind bei einem Gang durch die beiden Etagen des Römermuseums zu sehen und wer möchte, kann selbst ausprobieren, wie es sich mit einem Stilus-Griffel auf einem Wachstäfelchen oder einem Federkiel auf Papyrus schreibt. So wie Bürgermeister Löffler, der als erster sein Grußwort mit Tinte auf einer Papyrusrolle, dem aktuellen "Gästebuch", hinterließ.


Dr. Knötzele erläutert Bürgermeister Löffler die Geschichte der Schrift


Hier kann man selber Hand anlegen - Berühren ausdrücklich erlaubt

Antike Mythen im Wandel

Herkules - Apollo - Minerva

war der Titel des Stettfelder Abendvortrags von Manfred Berberich am Dienstag, dem 15.02.2011 vor mehr als 40 Zuhörern.
Der Referent startete mit Apollo, dem nach dem Göttervater Jupiter die größte Bedeutung in der antiken Mythologie zukommt. Apollo ist zum einen der Pfeilgott, der strafende und sühnende, auch verderbenbringende und heilende Gott, der Gott des delphischen Orakels. Weiter ist er der Gott der Leier, der Gott der Sänger. Schließlich wird er auch als Sonnengott verehrt. Die verschiedenen Eigenschaften werden einerseits in der Ilias des Homer, die des Phoebus Apollo, des Lichtgottes aber erst später erwähnt. Hier ersetzt Apollo im Laufe der Zeit den ursprünglichen Gott Helios. Die Insignien des Apollo sind einmal die Pfeile, mit der die göttliche Ordnung verteidigt, die Hybris bestraft wird. Die Leier gilt als Symbol für Ordnung, Maß und Harmonie. Der Lorbeer bedeutet Reinigung, Sühne und Ruhm. Der Dreifuß steht für Weissagung, Heilsbringer, Zukunft, goldene Zeit. Die Sonne schließlich steht für Licht und Macht.
Herr Berberich zeigte, unterstützt durch ausgezeichnetes Bildmaterial, wie sich der Mythos des Apollo in der Antike weiterentwickelt von den Sybillen und der Verknüpfung Apollos mit Aeneas, dem Trojaner als Stammvater der Römer, über die Apollo-Verehrung unter Augustus bis hin zur Apollo-Symbolik in der Kunst des Mittelalters, der Renaissance, des Barock und des Rokoko.


Apollo von Belvedere

Minerva ist die Schutzherrin von bürgerlichen Tugenden und gestalterischer Kraft. Sie steht für Klugheit und vorausschauende Planung, kommt aber als Mythos in der Neuzeit schlechter weg als Apollo und Herkules.

Erstaunlich ist die Entwicklung des Mythos Herkules. Seine grundlegenden Eigenschaften, seine Standhaftigkeit und Tugend, seine Stärke und sein Mut ermöglichen seine gewaltigen Heldentaten und den daraus folgenden Ruhm.
Z. B. ist Herkules und der nemeische Löwe besonderes Sinnbild für Mut und Stärke geworden. Keine andere Herkulestat wurde von Anfang an so häufig dargestellt. Herkules mit Löwenfell und Keule, das ist der Typ auch des Stettfelder Museums, wie er in der Antike häufig als Plastik erscheint.
Herkules ist aber auch der unermüdlich Arbeitende, der der aufgebürdeten Lasten nicht müde wird, ein Held der Arbeit und des Leids. Seine letzte Prüfung, der Todeskampf und die anschließende Vergöttlichung, hat u. a. die antiken Tragödiendichter Sophokles, Euripides und Seneca beschäftigt.

Seither ist Herkules in der abendländischen Überlieferung derjenige, der über Arbeit, Anstrengung, Prüfungen und Leid zu Ruhm und Erfolg kommt. Immer wieder wird er auf Münzen, in Gemälden und Plastiken dargestellt. Die Herrscher vergangener Jahrhunderte haben sich mit diesen Werken gern diesem vorbildlichen Helden und Gott gewidmet.

Mit der Lektüre von "Herkules' Tod" aus den Metamorphosen von Ovid und Hölderlins "Sonnenuntergang" beendete der Referent seine umfangreiche Darstellung der antiken Mythen und ihrer Wirkung bis in unsere Zeit.


Herkules im Schlossgarten von Weikersheim

Das Nibelungenlied

Sage - Epos - Mythos

Am 08.12.2010 hat Bibliotheksdirektorin Dr. Ute Obhof von der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe im Rahmen der Stettfelder Abendvorträge über das weltberühmte Nibelungenlied - Schwerpunkt die Karlsruher Handschrift ,C' - berichtet.


Dr. Ute Obhof bei Ihren Ausführungen

Historische Begebenheiten des 5. Jahrhunderts nach Christus, die Zerschlagung des Burgunderreichs im Raum Worms durch die Römer mit Unterstützung hunnischer Hilfstruppen, könnten Anknüpfungspunkte für die Nibelungensage sein. In der Form der Sage wurde der Inhalt in verschiedenen Formen mit entsprechenden Änderungen über Jahrhunderte hinweg mündlich überliefert. Menschliche Eigenschaften wie Gier, Eifersucht, Rache und Hybris bilden den Kern der Geschehnisse. Die Sage bildet eine Art Brücke zur Völkerwanderungszeit. Durch die lange mündliche Überlieferungszeit des Stoffes wirkt der Text des Nibelungenliedes archaisch und ist von Widersprüchen geprägt.

Die schriftliche Fassung des "Nibelungenliedes", die wir lediglich kennen, ist nach herrschender Meinung in der Germanistik um 1200 in der Diözese Passau unter Bischof Wolfger von Erlau entstanden. Die Handschrift ,C' zeichnet sich von vorn bis hinten durch außerordentlich saubere und präzise Schreibweise und einen relativ großen Wortschatz aus, was auf einen einzigen Dichter bzw. Schreiber hindeutet, dessen Name aber nicht genannt wird. Die in der Handschrift ,C' enthaltene Fassung des Nibelungenliedes ist die Version, die vom mittelalterlichen Publikum bevorzugt wurde.


Ausgesprochen präzises Schriftbild und reicher Wortschatz zeichnen die Handschrift ,C' aus

Die Wiederentdeckung des Nibelungenliedes erfolgte in Hohenems in Vorarlberg im Jahre 1755. Die Nibelungenhandschrift ,C', die sich heute in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe befindet, wurde von dem frühen Germanisten und Sammler Joseph von Laßberg (1770-1855) auf dem Wiener Kongress mit Mitteln der Fürstin Elisabeth zu Fürstenberg gekauft. Aus dem Fürstenberg-Besitz wanderte die Schrift schließlich in die Karlsruher Bibliothek.


Joseph von Laßberg hat die Handschrift ,C' auf dem Wiener Kongress erworben

Die Handschrift ,A' befindet sich heute in der Bayerischen Staatsbibliothek in München, die Handschrift ,B' wird in der Stiftsbibliothek St. Gallen aufbewahrt. Die meisten Handschriften und Handschriftenfragmente, die wir heute kennen, überliefern die ,C'-Version.

Die Bilderwelt der Romanik

Architekturgebundene Malerei und Skulptur

Armin Becker aus Sandhausen berichtete am 23.11.2010 als Fortsetzung seines Vortrags "Kirchenbaukunst der Romanik" vom 16.12.2009 über die Malerei und den Skulpturenschmuck in romanischen Sakralbauten.

Der heutige Zustand vieler restaurierter romanischer Kirchen steht im größten Gegensatz zu dem farbenfrohen Anblick, den die bemalten Wände und Decken zur Entstehungszeit dieser Kirchen boten.

Nach der Präsentation von Bildern restaurierter romanischer Kirchen mit ihrer Steinsichtigkeit bzw. weiß verputzten Wänden, was die formale Strenge des romanischen Stils unterstreichen sollte, stellte der Referent fest, dass die mittelalterlichen Kirchen fast vollständig ausgemalt und von einer uns heute befremdlichen Buntheit waren. Auch die Skulpturen in und an den Kirchen waren farblich gefasst.

Architekturgebunden war diese Malerei, weil sie in den romanischen Kirchen nicht auf mobilen Bildträgern, etwa als Tafelbild, vorkommt, sondern nur als fest mit der Architektur verbundene Wand- und Deckenmalerei. Architekturgebunden waren auch die Skulpturen, weil die Romanik die vollplastische, anatomiebetonte, frei stehende Skulptur nicht kennt, sondern diese grundsätzlich an einen Hintergrund als Bildträger, ein eine rückwärtige Begrenzung gebunden bleibt, von dem sie sich nie vollständig löst. Die romanische Skulptur ist also wesentlich Relief.

Die zentrale Aussage des Vortrags:
Die Vielzahl der Bildwerke einer Kirche wie überhaupt der Bildervorrat der romanischen Sakralkunst bilden einen übergreifenden inhaltlichen Zusammenhang. Die bildnerischen Erzeugnisse beziehen sich alle auf einen gemeinsamen Bezugspunkt, nämlich auf die mittelalterlich-christliche Auffassung von Welt und Geschichte, die im Begriff der Heilsgeschichte zusammengefasst werden kann.

Was damit gemeint ist, wurde vor allem an der Bilderdecke der Michaeliskirche in Hildesheim entwickelt. Sie nimmt das Thema des sogenannten Jessebaums zum Anlass, um den Weg der Menschheit vom Sündenfall im Paradies bis zur Wiederkunft Christi am Ende der Zeiten als Heilsgeschichte zu interpretieren. Der Referent zeigte, wie die daraus entwickelte Vorstellung von Christus als neuem Adam und Maria als neuer Eva, die den Sündenfall von Adam und Eva wieder gut machten, in Hildesheim bildlichen Ausdruck fand.

Anhand weiterer Beispiele wurde gezeigt, dass die Thematik der sakralen romanischen Wandmalerei durch ihren Ort in der Kirche bestimmt wurde: die Langhauswände sowie die Kirchendecke waren in der Regel für erzählerische Zyklen aus dem Alten oder Neuen Testament - Szenen aus der irdischen Zeitlichkeit - vorgesehen. Der Chorbereich und die innere Westwand dagegen waren für "Ewigkeitsbilder" reserviert: an der Westwand das Jüngste Gericht, in der Apsiskalotte des Chores Christus als Weltenherrscher, in der von Engeln gehaltenen Mandorla, einer Lichtaura, auf dem Regenbogen sitzend, umgeben von den vier geflügelten apokalyptischen Wesen, dem Löwen, dem Stier, dem Menschen und dem Adler, die in der Deutung der Kirche zu Symbolen der Evangelisten Markus, Lukas, Matthäus und Johannes geworden waren.

Nachdem in der christlich gewordenen Spätphase des römischen Reiches die heidnischen Statuen aus allen Tempeln entfernt worden waren, war die Monumentalskulptur praktisch zum Erliegen gekommen. Die romanischen Bildhauer des 11. Jahrhunderts orientierten sich an anderen Bereichen der bildenden Künste, etwa an geschnitzten Elfenbeintafeln, so dass die frühen Skulpturen wie vergrößerte Ausgaben dieser "Kleinkunst" wirken.

Die Portale der Abteikirchen von Moissac, Beaulieu, Vézelay, Conques und Arles wurden dann als Höhepunkte der voll entwickelten Monumentalskulptur vorgestellt. In ihren Tympana dominiert das Motiv von Christus als Herrscher- und Richtergott, der Kreuz, Lanze, Nägel und Dornenkrone nicht wie in der Gotik als "Leidenswerkzeuge", sondern als "arma Christi", als seine "Waffen" präsentiert, mit denen er Sünde und Tod besiegt hat.

Es wurde gezeigt, wie die Romanik dabei Elemente der spätantiken Kaiserikonographie übernommen und auf Christus übertragen hat, um ihn anstelle der Kaiser als Weltenherrscher auszuweisen. Auch die architektonische Form dieser Portale ist antik, nämlich von kaiserzeitlichen Triumphbögen, beeinflusst. Dies gilt in besonderer Weise für St. Trophime in Arles, dessen große Portalanlage in antikisierender Manier Freisäulen, skulptierte Architrave, Bilderfriese und Reliefplatten zu einem eindrucksvollen Bilderbogen der Heilsgeschichte kombiniert.


Deckenmalerei (Jessebaum) in der Michaeliskirche in Hildesheim


Das Innere der Kirche St. Georg in Oberzell


Das Tympanon von Arles


Kapitell im Quedlinburger Dom


Das Tympanon von Vézelay mit verziertem Stützpfeiler

Das römische Wimpfen am Neckar-Odenwald-Limes

Der Bauhistoriker Dr. Meinrad Filgis, ehemals Landesdenkmalamt Stuttgart, hat am 25.10.2010 vor über 30 Zuhörern schwerpunktmäßig über die archäologischen Funde bei den von ihm mit zwei weiteren Kollegen geleiteten Ausgrabungen 1983 - 1987 in Bad Wimpfen berichtet.
Bereits im 19. Jhdt. sind wiederholt wesentliche Funde registriert und schließlich gezielte Ausgrabungen im Stadtteil Wimpfen im Tal durchgeführt worden, die darauf schließen ließen, dass es sich um eine für damalige Verhältnisse recht große Anlage handelt. Die Archäologen, die Ende des 19. Jhdts. im Auftrag der Reichslimeskommission forschten, fanden heraus, dass Ende des 1. Jhdt. n. Chr. am Übergang vom Neckar- zum Odenwaldlimes ein römisches Kastell entstand, um das sich eine zivile Siedlung (vicus) in Holzbauweise entwickelte.


Wimpfen im Tal Ende des 19. Jhdts. (Wikipedia)

1983 - 87 wurden wegen geplanter Baumaßnahmen mehrere umfangreiche Rettungsgrabungen erforderlich, die zur Abrundung der schon vorher gewonnenen Erkenntnisse führten und das römische Wimpfen in die Reihe der größten römischen Siedlungen in Baden-Württemberg einfügten. Interessante Einblicke in die Bau- und Siedlungsstruktur ebenso wie in das Alltagsleben dieser römischen Stadt im Hinterland des Limes waren das Ergebnis.


Wimpfen im Tal - Übersicht über Ausgrabungen bis 1987 (aus Regia Wimpina Band 5)

Als die Römer um die Mitte des 2. Jhdt. das Militär nach Jagsthausen an den Obergermanisch-Raetischen Limes verlegten, avancierte dieser vicus zum Hauptort der civitas alisinensium und wurde durch eine Stadtmauer mit Türmen und Toren befestigt. Gleichzeitig lösten Steinbauten die bisherige Holzbauweise ab.
Der beachtliche Wohlstand der Bewohner, nachgewiesen durch die Entdeckung von Grundmauern großer Wohn- und Gewerbebauten mit komfortabler Inneneinrichtung und eines umfangreichen Kultbezirkes, gründet sicher auf der verkehrsgünstigen Lage am Fluss und an der Kreuzung zweier römischer Fernstraßen - einer Nord-Süd-Verbindung mit Neckarbrücke und einer west-östlichen Trasse.


Rekonstruktion der Götter des Kultbezirks aus den gefundenen Bruchstücken (aus Regia Wimpina Band 5)

Auf etwa 260 n. Chr. wird das Ende der Siedlung infolge der den Limes überrennenden Alamannen datiert.
Weil die römische Stadt im Überschwemmungsgebiet des Neckars an der Jagstmündung angelegt war, hat es in nachrömischer Zeit kaum Überbauungen des Gebiets gegeben, so dass die Ausgrabungen fast lückenlos erfolgen konnten.
Zu den bedeutenden Einzelfunden zählen die Götterstatuen und Reliefs im Kultbezirk von Jupiter, Juno, Minerva, Mars und weitere Statuen und Reliefs von weniger bedeutenden Gottheiten. Besonders eindrucksvoll ist die fast lebensgroße Plastik des Stadtgenius mit der Mauerkrone auf dem Kopf.


Stadtgenius von Wimpfen (aus Regia Wimpina Band 5)

Daneben fanden sich in einem Keller sorgfältig auf Stuck angebrachte Bemalungen der Halbrundbögen über Nischen und besondere dreieckige und rautenförmige Ornamente, denen man fast magische Bedeutung beimisst.


Römischer Keller: Wandnische bemalt: li. Original - re. Rekonstruktion (aus Regia Wimpina Band 5))

Von der umfangreichen Gewerbetätigkeit zeugen diverse Töpferöfen, Öfen zur Metallschmelze, Getreidedarren, Kalkbrennöfen und sogar Grillkanäle mit Holzkohlen- und Tierknochenfunden, die offenbar zur gewerbsmäßigen Verarbeitung von Rind- und Geflügelfleisch dienten.
Viele dieser Zeugnisse der römischen Siedlung Wimpfen - römischer Name unbekannt - finden sich heute im Museum im Steinhaus in Wimpfen am Berg.

Jahresausflug nach Breisach am 26.09.2010

Pünktlich um 8.00 Uhr begann das wieder meisterlich von M. Schimmelpfennig, den Familien Hess und Hemberger unter Assistenz von R. Herzog in Szene gesetzte Ereignis mit dem Römerfrühstück im Stettfelder Römermuseum.
Leider mit Verspätung erreichten wir - wegen vieler Baustellen auf deutscher Seite hauptsächlich über französische Straßen - unser Ziel Breisach. Dank der Umsicht unseres Reiseleiters und den moderaten Abmessungen unseres etwas in die Jahre gekommenen Busses mit gerade noch passender Durchfahrtshöhe konnten wir sogar den Münsterberg "erfahren".


Blick auf die Altstadt von Breisach am Rhein mit Münsterberg (Foto Wikipedia)

Soweit war alles bestens geregelt bis auf die Tatsache, dass immer wieder Regenschauer unseren Weg über den Münsterberg "anfeuchteten".
Nach der Versammlung am St. Stephansmünster begann eine sehr interessante Führung mit einer kenntnisreichen Dame über den Münsterberg, wo uns von den Zeiten der Römer in der Spätantike bis in die Neuzeit anhand vieler Zeitzeugen berichtet wurde. Bedrückend war, wie häufig Breisach seit Römertagen immer wieder zerstört und wieder aufgebaut wurde und als strategisch wichtiger Punkt an der Grenze zwischen Frankreich und deutschen Fürstentümern in kurzen Abständen unter neue Herrscherschaften fiel. Kein Wunder, dass die Breisacher nach dem Ende des 2. Weltkriegs, bei dem Breisach wieder fast vollständig zerstört wurde, als erste in Europa nahezu einstimmig für ein nunmehr einiges und freies Europa votierten.


So sah es bis zum 2. Weltkrieg auf dem Münsterberg aus

Der Besuch im Münster war ein weiterer Höhepunkt: im 12. Jhdt. als romanische Basilika begonnen wurde der Bau über Jahrhunderte erweitert und mit monumentalen Wandgemälden des Malers Martin Schongauer im 15. Jhdt. geschmückt. Auch der Hochaltar ist ein Meisterwerk spätgotischer Schnitzkunst.
Nach dem eindrucksvollen Freilichttheater, das seit 1920 den Breisacher Festspielen Heimstatt ist, haben wir den Radbrunnenturm besucht, der seit dem Mittelalter einen eindrucksvollen Ziehbrunnen mit einem 40m-Schacht beherbergt. Von dort konnte während der wechselvollen Geschichte Breisachs mit Hilfe einer Kettenwinde die Siedlung mit frischem Wasser versorgt werden. Angetrieben wurde die Kette mit einem überdimensionierten Laufrad aus Holz.


Das Laufrad im Radbrunnenturm

Im Hotel "Kapuzinergarten" konnten wir schließlich ein sehr schmackhaftes Menü bei herrlicher Aussicht auf den Kaiserstuhl genießen.
Nach kurzer Fahrt gelangten wir anschließend zur Sektkellerei Geldermann, wo wir eindrucksvoll in die Herstellung von Sekt nach traditioneller Methode (früher méthode champenoise) eingeweiht wurden. Der Weg führte uns bis in die Lagerstollen unter dem Münsterberg, wo der Sekt in Flaschengärung bei konstanter Temperatur reift. Die folgende Verkostung der Endprodukte zeitigte so manches "Ah" oder "Oh", denn es war anscheinend für jeden Geschmack etwas dabei.


In der Sektkellerei

Die Rückfahrt nunmehr ausschließlich auf deutscher Seite verlief angenehm und störungsfrei, so dass wir gegen 21.00 Uhr wieder am Römermuseum in Stettfeld eintrafen.

Tag des offenen Denkmals am 12.09.2010 in Stettfeld

Besser hätte das Schwerpunktthema des bundesweiten Tages des offenen Denkmals gar nicht zu Stettfeld passen können. "Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr" , das passte wie angegossen auf die römische Vergangenheit unserer Gemeinde, die vor 2.000 Jahren an einer bedeutenden römischen Straßenkreuzung angesiedelt war.
Dem Thema entsprechend bot der Freundeskreis Römermuseum am Sonntag ein überaus bewegtes Programm.
Pünktlich um 10.00 Uhr begannen die ersten Führungen im Museum, die sich an besonders gekennzeichneten Schwerpunkten orientierten und bis 17.00 Uhr interessierte Besucher informierten. Da war die Straßenkreuzung, verantwortlich für regen Verkehr, der viele, teils recht exotische Waren und nach Stettfeld brachte. Die Großziegelei und -töpferei Stettfelds verdankte den Fernstraßen und vielen Bächen, häufig als Wasserstraßen genutzt, dass sie ihre Waren auch überregional absetzen konnte und damit sicher zu bedeutendem Wohlstand kam. Der cursus publicus, die Kaiserliche Post Roms, verfügte vor den Toren Stettfelds vermutlich über eine Pferdewechselstation, deren imposante Reste Anfang der 1990er Jahre an der alten Römerstraße Basel - Mainz vor den Toren Stettfelds ausgegraben wurden.
Hierzu passte ein Beneficiarier in vollem Gewand und mit seinem typischen Symbol, der Lanze, der im Römermuseum ausführlich nicht nur über die Besonderheiten seiner Kleidung, sondern auch von seiner Arbeit und seinen hoheitlichen Aufgaben als Straßenpolizist an Fernstraßen in der römischen Provinz berichtete. Neben der Tätigkeit als Ordnungshüter übernahm er auch Verwaltungsaufgaben, zum Beispiel bei der Transportorganisation oder der Kontrolle des Warenverkehrs. Ein römischer Legionär in voller Uniform unterstrich den Anspruch auf Recht und Ordnung.


Der Beneficiarier und sein Erfüllungsgehilfe, der Legionär

Schließlich waren interessierte Besucher am Nachmittag eingeladen, markante Lokalitäten des römischen Stettfeld unter fachkundiger Führung mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu erkunden.
Wolfgang Fischer, ganz stilecht als Römer gekleidet, führte rund 30 Interessierte zu den Stellen, an denen geschichtsträchtige Funde im Weichbild des Ortes gemacht wurden. Besonders sehenswert der römische Keller in der Römerstraße, die römischen Brunnen, der Nachbau des Brennofens. Aber auch die Tatsache, an den Orten zu verweilen, die von den Archäologen zu Beginn der systematischen Ausgrabungstätigkeit als besonders bedeutsam eingestuft und die offensichtlich wichtige Rolle des vicus unterstreichen, verhalf zu einem Gefühl der Verbundenheit mit der Geschichte des Ortes.


Der "Römer" W. Fischer erläutert die Bedeutung römischer Fundstätten in Stettfeld

Die mehr als 40 Radfahrer, die sich auch die weiter entfernten Bodendenkmale und Ausgrabungsstätten anschauen wollten, kamen dank sachkundiger Führung durch Thomas Förderer und Michael Schimmelpfennig voll auf ihre Kosten. Neben den Fundstätten direkt im Dorf durften sie auch den ehemaligen Wirkungsbereich des Zieglers und Töpfers LPL "Im Sand" in Augenschein nehmen. Bei herrlichem Wetter führte die Fahrt zu den noch im Boden schlummernden Bauwerken des Palastes "In den Hecken" und des römischen Bauernhofs "Am Schwedenbrunnen". Selbst der Fundort der Pferdewechselstation "Markgraben" zwischen Stettfeld und Ubstadt wurde angefahren.


Die Fahrrad-Exkursion kurz vor dem Start

Ferienprogramm 2010 der Gemeinde Ubstadt-Weiher

Basteln mit dem Freundeskreis Römermuseum - diesmal eine römische Rundmühle

Auch in diesem Jahr beteiligte sich der Freundeskreis am Ferienprogramm der Gemeinde Ubstadt-Weiher.
Unseren jungen Gästen im Alter von 8 bis 12 Jahren wurde im Römermuseum ein abwechslungsreiches Programm geboten.
Es gab römische Spielfiguren zum Anfassen ebenso wie ein Model, mit dessen Hilfe man zur Römerzeit eine kleine Spielzeugtaube herstellen konnte. Passend dazu hörten die Kinder die Geschichte vom Pechvogel, einem Römerjungen, der sich gar zu tollpatschig anstellte. Wichtigster Programmpunkt des Nachmittags war das Basteln einer römischen Rundmühle aus Leder, mit der dann gleich gespielt wurde.
Nach einem Imbiss und Getränken waren römische Wettspiele mit Nüssen und Kreiseln der Anziehungspunkt. Die drei erfolgreichsten Orca- und Deltaspieler konnten sich einen Gewinn aussuchen. Auch die Gewinner des Kreiselspiels erhielten jeweils einen Preis.
Nach weiteren spannenden Geschichten aus dem Römerreich, die von den Kindern erfreulich aufmerksam verfolgt wurden, beendete ein kniffliges Rätselspiel den Nachmittag.

Heidelberger Vielfalt — natur- und kulturgeschichtliche Eindrücke aus einer berühmten Stadt

war der Titel des im Winterhalbjahr 2009/2010 letzten Stettfelder Abendvortrags am 29.03.2010.
Jürgen Alberti aus Bad Schönborn referierte über Heidelberg, wie es kaum jemand kennt. Für die Illustration eines Kalenders zu Heidelbergs „Stadtnatur“ durchstreifte der Referent wochenlang die Heidelberger Gemarkung auf der Suche nach natürlichen und auch kulturhistorischen Schönheiten, auf die der oberflächliche Tourist nicht stößt. Als Biologe und Fotograf waren ihm dabei die kleinen Lebewesen und unscheinbaren Pflanzen ebenso wichtig wie die großen Vertreter der natürlichen Umwelt.
Aufgelockert wurde der Vortrag durch interessante und vergnügliche Ausflüge in die Historie einer Stadt, die Kulturgeschichte geschrieben hat und schwer unter der deutsch-französischen Konkurrenz zu leiden hatte.
Besonderen Wert legte er auf die Entdeckung ungewöhnlicher Pflanzen und Tiere, die man normalerweise in einer Großstadt nicht vermutet. Ein recht effektives Schutzprogramm der Stadt Heidelberg erlaubt heute das Überleben einer großen Artenvielfalt, was Heidelberg den Titel „Bundeshauptstadt im Naturschutz 2007“ eingetragen hat.
Berühmt ist als Ausgangspunkt der Philosophenweg nicht nur für seine Aussicht auf Alt-Heidelberg und Schloss sondern auch für seine Tier- und Pflanzenwelt, die die Wärme des Ortes nutzen. Geht man weiter in Richtung Ziegelhausen, gelangt man in den Wald, der auf Granit steht. Auffallend sind hier am Weg z. B. schöne Gruppen vom Tüpfelfarn, dem „Engelsüß“ früherer Kinder, die die unterirdischen Teile als „Süßholz“ kauten.
Man gelangt schließlich zur Abtei Neuburg, deren wechselvolle Geschichte im 12. Jahrhundert als Benediktinerkloster begann. An mageren Stellen in der Nähe der Anlagen wachsen die Rauhe Nelke, an Felsköpfen die am Stängel klebrige Pechnelke. Die zum Kloster gehörende „Stiftsmühle“, die vom Mausbach angetrieben wurde, ist verschwunden, nur der Gasthof blieb übrig.
Hinter dem Klosterareal führt ein Weg durch das Mausbachtal auf die sorgfältig gemähte „Mausbachwiese“. An den Rändern der Wiese zum Bach hin finden sich noch zahlreiche bis zu 1,5 m lange Wedel des sehr seltenen und geschützten Straußfarns.


Der geschützte Straußfarn

Eine weitere, sorgfältig gepflegte Wiese im Wald namens „Kreuzgrund“, die früher mit Vieh beweidet wurde, verfügt über kostbaren Magerrasen. Sehr seltene Pflanzen und mit ihnen auch zahlreiche Insekten, vor allem Falter, haben hier auf Heidelberger Gemarkung ihren einzigen Lebensraum.

An den Mauern zur Ziegelhäuser Landstraße steht in Massen eine unscheinbare Pflanze, das Ausgebreitete oder Ästige Glaskraut. Die sehr seltene, zerbrechliche Pflanze stammt aus dem Mittelmeerraum. Sie wurde wohl von den Römern nach hier verschleppt.
Hier leben auch die besonders seltenen und geschützten Mauereidechsen.

Porträt einer Mauereidechse

Überraschend war das Auffinden einer bis auf 1000 Tiere geschätzten Population überwiegend von Mauereidechsen im Gleisschotter des alten Güterbahnhofs, als man dort mit den Arbeiten zur „Bahnhofsstadt“ begann. Der gesetzliche Tierschutz verlangte, dass die Tiere vor Baubeginn umgesiedelt werden, was noch nicht abgeschlossen ist.
Auf den großen Neckarwiesen tummeln sich im Sommer nicht nur viele Studenten sondern auch Nil- und Höckergänse.
Die Höcker- oder Schwanengans, ein stattlicher Vertreter dieser Vogelgruppe, hat in Heidelberg ihre einzige wild lebende Population in Deutschland. Sie stammen von den Küsten Ostasiens und sind die Stammform der als Haustier gehaltenen Höckergans. Viel weiter verbreitet ist die Nilgans.


Ein Nilgans-Paar am Neckarufer

Die farbenprächtigen Tiere sind viel kleiner als die Schwanengänse. Sie brüten überall, am Boden und in Storchenhorsten, in dichter Vegetation, in Baumhöhlen, auf Masten und Brücken.
An der Dossenheimer Landstraße werden drei überalterte Kirschbäume weiter erhalten, denn in ihnen wohnt die seltene Stöpselkopfameise.
Im Heidelberger Odenwald kurz vor der Stadtgrenze liegt die frühere Allmende „Hirschwiese“, z. T. in der feuchten Bachaue mit über 100 Pflanzenarten, die etwa 100 Arten von Schmetterlingen, darunter Trauermantel und Aurorafalter, ernähren. Im bergauf liegenden ehemaligen Steinbruch sind die Abbruchwände so frei, dass sie für die Wanderfalken, die seit Jahren regelmäßig auf dem Turm der Heiliggeistkirche brüten, von Interesse sein könnten.
Halsbandsittiche stammen aus den Savannen Nord-Afrikas bis hin nach Südost-China. Die erste Brut in Heidelberg fand 1990 statt, jetzt sind es schon über 700 Vögel.


In Heidelberg freilebender Halsbandsittich
An diesen schönen Vögeln kann man leicht aufzeigen, warum das erfolgreiche Leben in der Stadt durch so viele Tiere und Pflanzen zustande kommt: keine Verfolgung durch den Menschen, sehr viele verschiedene Lebensräume wie Gärten, Parks, Einzelbäume, Straßengrün, Gebüsche, Friedhöfe, Vorgärten, kein Spritzen, kein Düngen, höhere Temperaturen im Winter, Fütterungen direkt durch die Menschen, aber auch indirekt an Müllablagerungen oder in der Nähe von Mühlen, Speichern oder Güterbahnhöfen. Ein besonders interessanter Wald ist der am Steilhang des Königsstuhls zum Neckar hin. Auf den Felsbrocken und zwischen ihnen hat sich z. B. das Punktierte Hornlebermoos etabliert, das in seiner Erscheinung eine Vorstellung davon gibt, wie einst die Pflanzen vom Meer aus das Land eroberten.
Im Südwesten hat Heidelberg an der Grenze zu Leimen Anteil an dem ehemaligen Steinbruch des Zementwerkes, der heute Naturschutzgebiet ist. Immer wieder seit etwa 10 Jahren tauchen hier Uhus auf und haben auch teilweise erfolgreich ihre Brut hochgebracht.

Einprägsamkeit en gros. - die Porträts Kaiser Maximilians I.

lautete der Titel des Stettfelder Abendvortrags am 23.02.2010.
Die Kunsthistorikerin Dr. Anja Eisenbeiß von der Heidelberger Universität hat sehr detailliert über die Art und Weise berichtet, wie der mittelalterliche Herrscher Maximilian I. mit einer Vielzahl veröffentlichter Porträts dafür sorgte, dass er seinen Untertanen im Gedächtnis blieb. Sie stellte dabei Vergleiche an zu den Bildern antiker Größen wie z. B. des Perikles, Alexanders des Großen und von Augustus ebenso wie zu denen mittelalterlicher Fürsten und eines Papstes.
Sie hat bei Ihren Untersuchungen herausgefunden und schlüssig dargelegt, dass es bei den Herrscherbildern nicht so sehr darauf ankam, eine bestimmte Person getreulich abzubilden. Die eigentliche Absicht war, mit den Porträts bestimmte tatsächlich vorhandene oder auch gewünschte Eigenschaften der Öffentlichkeit nahe zu bringen. Wichtig war, dass bestimmte Bildmerkmale für Unverwechselbarkeit und Wiedererkennung sorgten.
Von kaum einem Herrscher des Mittelalters haben sich so viele Bildnisse erhalten, wie von Kaiser Maximilian I. (1459-1519). Die Referentin stellte zunächst eine Federzeichnung von 1510 über eine Porträtsitzung Maximilians vor, bei dem weltliche und kirchliche Würdenträger sozusagen die Authentizität des Vorgangs bezeugen. Solche Sitzungen hat es mehrfach (z. B. Jörg Muskat, Albrecht Dürer) gegeben, doch sind wohl die meisten Bildnisse danach auf Basis von Bildvorlagen entstanden.
Dr. Eisenbeiß stellte eine Reihe der bedeutendsten Bildnisse Maximilians als Holzschnitte, Gemälde, Bronzebüsten, Münzen, Tafelbilder und Buchdruckexemplare vor, auf denen der Herrscher mit seiner markanten Habsburger Hakennase mit jeweils angemessener Tracht oder im Harnisch, oft mit Granatapfel und den Insignien seiner Macht dargestellt war. Die Gesichtszüge waren dabei sowohl an das Lebensalter als auch an die jeweils gewünschte politische Aussage angepasst. Die Zusammensetzung aller Details war den jeweiligen Umständen entsprechend mit Bedacht gewählt und sollte den Herrscher als fromm, mutig, entschlossen, kampfbereit oder väterlich nachsichtig und gütig charakterisieren.
Erstaunlich war, dass sogar einem Vorfahren Maximilians, dem König Rudolf I., die sogenannte Habsburger Nase postum an einem Bronzestandbild in der Innsbrucker Hofkirche verpasst wurde. Er wurde dadurch Maximilian täuschend ähnlich, obwohl sein Bild auf dem Grabmal im Speyerer Dom anders aussieht. Mit diesem Beispiel und mit der Reliefdarstellung Maximilians und seines Enkels Karl V. mit sehr ähnlichen Gesichts-Profilen zeigte sie, wie mithilfe der Bildnisse der Habsburger Machtanspruch über mehrere Generationen verdeutlicht wurde.


Jörg Muskat: Bronzebüste Maximilians I.


Maximilian im Harnisch


Albrecht Dürer: Maximilian I.

Das Königreich der Vandalen

Besuch der Sonderausstellung des Badischen Landesmuseums Karlsruhe am 06.02.2010

17 Teilnehmer waren diesmal dabei, als der Freundeskreis zu einem gemeinsamen, fachkundig geführten Besuch der Sonderausstellung lud.
Alle waren überrascht über die vielseitige und mit wertvollen Original-Exponaten ausgeführte Ausstellung, die dank der Unterstützung der tunesischen Behörden außerordentlich authentisch war.
Über die Vandalen, die während der Völkerwanderungszeit aus ihren ursprünglichen Siedlungsgebieten im heutigen Schlesien, Siebenbürgen und Ungarn als lockere Gruppierungen zusammen mit anderen Völkerstämmen zunächst über den Rhein Richtung Gallien und dann via Hispanien nach Nordafrika zogen, sind schriftliche Zeugnisse und archäologische Funde Mangelware.
Deshalb bemüht sich diese Ausstellung, Artefakte aus der durch zeitgenössische „Historiker“ und spätere Literatur belegten Vandalenzeit des 4. bis 6. nachchristlichen Jahrhunderts zu zeigen, wenn sie auch zum Teil nicht direkt von den Vandalen stammen. Sicher scheint, dass die Vandalen zusammen mit Alanen um 429 von Gibraltar aus in die römischen Provinzen Nordafrikas vordrangen und 439 Karthago eroberten. Diese logistische und militärische Leistung war in erster Linie König Geiserich aus dem Geschlecht der Hasdingen (Langhaarige) geschuldet.
Nachdem später das Vandalenreich auf römischem Territorium sowohl von West- als auch von Ostrom anerkannt worden war, setzte die Konsolidierung der Vandalenherrschaft in Afrika ein. Das geschah durch die weitgehende Übernahme der ertragreichen Landwirtschaft durch die vandalische Führung, die Beteiligung der Vandalen-Soldaten an der Landnahme und die Assimilierung der Vandalen durch die römische Bevölkerung. Allerdings war die strenge Verfolgung der katholischen Christen durch die arianischen Vandalen zeitweilig ein großes Hemmnis. Mit der zunehmenden Schwäche Westroms erfolgte die Ausdehnung der Vandalenherrschaft auf das westliche Mittelmeer (Balearen, Sardinien, Korsika und Sizilien) verbunden mit regelmäßigen Raubzügen bis nach Rom.
Die reiche Kornkammer Nordafrika und ein blühendes Keramikhandwerk waren die Basis der erfolgreichen Exportwirtschaft, die lückenlos an die vorherige römische Zeit anschloss. Nach Geiserichs Tod 477 und zunehmendem Machtverfall ging das Vandalenreich mit der Eroberung durch den oströmischen Kaiser Justinian I. und seinen Heerführer Belisar im Jahr 534 unter. Ein Jahrhundert später fiel auch diese letzte Bastion des oströmischen (byzantinischen) Reichs in Afrika unter dem Ansturm der Moslems.
Die Grabungsfunde in Tunesien, dem früheren Kernland des Königreiches der Vandalen, in Algerien und Marokko bezeugen, dass sich die keramischen und metallischen Gebrauchsgegenstände und Schmuckstücke, Plastiken aus Stein und Metall, die kunstvollen Mosaiken und die Bauten aus dem Jahrhundert der Vandalen kaum von denen der früheren und späteren Zeit unterscheiden. Lediglich die „barbarischen“ Namen in Inschriften, auf Münzen und Schriftstücken bezeugen, dass hier Vandalen eine Rolle spielten.
Selbst die sakralen Bauten lassen kaum Rückschlüsse darüber zu, ob hier katholische oder arianische Christen gebetet haben.
Auch zu der Sprache der Vandalen gibt es mehr Annahmen als schlüssige Beweise. Anscheinend war ihre Sprache dem Gotischen ähnlich, allerdings wurden bisher keine zusammenhängenden Schriftzeugnisse gefunden sondern nur Einzelworte z. B. liturgischer Art.


Grabmosaik des vandalischen Kriegers Arifridos


Die Dame von Karthago (Mosaik mit der Stadtgöttin)


Schmuck aus dem Grab einer vornehmen Vandalin


Blick in die Ausstellung „Das Königreich der Vandalen“

Römische Glasmacherkunst

hieß der Stettfelder Abendvortrag am 27.01.2010 mit dem Film

Die Herstellung von Repliken Römischer Gläser Im Bayerischen Wald

Vor der Vorführung gab unser Mitglied Gerhard Niggemann einen Überblick über die Glasherstellung allgemein sowie die Herstellung von Repliken römischer Gläser im Besonderen.
Walter Speicher aus Neustadt/Weinstr. erläuterte anschließend zum 1991 gemeinsam gedrehten Film aus der Glashütte Poschinger in Frauenau, wie aufwändig die handwerkliche Herstellung solcher Nachahmungen römischer Gläser auch mit modernen Hilfsmitteln ist. Am Beispiel von vier verschiedenen römischen Gläsern aus dem 1. bis 4. Jhdt, die im British Museum in London ausgestellt sind und im Auftrag der CCAA Glasgalerie Köln nachgefertigt wurden, zeigten sie jeden Arbeitsgang von der Herstellung der Holzform bis zum Durchlaufen des Kühlofens. Besonders beeindruckend war die Ergänzung der jeweiligen Grundform um Rippen, Henkel, Füße, Noppen und viele andere Applikationen. Die anschließende Nachbearbeitung mit moderner Technik rundete die Information über die Produktion selbst ab. Als Zugabe wurde die Auswechselung der Glashäfen (Behälter für die Glasschmelze) gezeigt, die zum Zeitpunkt der Aufnahmen noch per Muskelkraft vorgenommen wurde.
Die Filmaufnahmen aus dem Jahr 1991 wurden durch einige aktuelle Fotos und Kommentare ergänzt.
Der Eindruck bei allen Zuschauern war, dass die Herstellung der römischen Originale um ein Vielfaches schwieriger war, weil die moderne Technik fehlte. Anhand dieses Films vermag man erst den großen Wert der Originale zu ermessen, bei deren Herstellung sicher enorm viel mehr Zeit aufgewendet wurde und erheblicher Ausschuss zu beklagen war.
Im anschließenden Vortrag über Neuere Römische Glasfunde aus der Pfalz wurden Glasfunde der vergangenen Jahre aus dem Bereich der Vorderpfalz vorgestellt. Insbesondere die Funde hochwertiger Gläser des 4. Jhdts. aus den Gräberfeldern der Villa Rustica Wachenheim und Gönnheim zeigen einen hohen Standard der Grabbeigaben. Ergänzt wurde das Referat um Erläuterungen zu den noch nicht abgeschlossenen Grabungen anhand von aktuellen Grabungsfotos.
Die anschließende rege Diskussion bewies, dass der Vortrag bei allen Zuhörern gut angekommen war.
Eine reichhaltige Auswahl an Muster-Repliken konnte anschließend von den rund 50 Teilnehmern in Augenschein genommen und auch „begriffen“ werden.


Römische Gläser – Kunstwerke in vielfältigen Formen und Farben

Kirchenbaukunst der Romanik

Unter diesem Titel hat Armin Becker aus Sandhausen am 16.12.2009 in der Reihe der Stettfelder Abendvorträge einen Lichtbilder-Vortrag von ganz besonderer Art gehalten.

Vor knapp 60 höchst interessierten Besuchern hat er die Gestaltungsvielfalt der romanischen Baukunst an einer Vielzahl von Bildbeispielen überzeugend dargestellt. Er ging dabei sowohl auf die Ursprünge dieses mittelalterlichen Baustils ein als auch auf die Übergänge zur ablösenden Gotik. Doch ist es kaum möglich, einen einheitlichen romanischen Baustil ergänzend zum allgegenwärtigen Rundbogen zu beschreiben. Abhängig vom Standort der Kirche und dem Zeitpunkt ihrer Errichtung ergibt sich eine Vielzahl unterschiedlicher ergänzender Stilelemente, die sich sowohl im Grundriss als auch in der Ausschmückung und Höhe der Bauten zeigen.

Eins steht aber fest: das anfängliche Vorbild für diese sakrale Baukunst war ausgerechnet die römische Basilika, ein ausgesprochener Profanbau. Man versucht dies heute durch politische Motive zu erklären, wollten doch die neuen germanischen Herrscher nach dem Untergang des spätantiken weströmischen Reichs unbedingt den Baustil der Römer kopieren, um sich auch in ihren sakralen Bauten als die rechtmäßigen Nachfahren der römischen Herrscher darzustellen. Außerdem haben die Christen nach ihrer offiziellen Anerkennung im römischen Reich nach Gotteshäusern gesucht, die die Versammlung der Gläubigen bei gemeinsamen Gottesdiensten zuließen. Die Tempel der bisherigen römischen Gottheiten waren hierfür meist ungeeignet. Folgerichtig waren die ersten christlichen Kirchen umgewandelte Basiliken und die späteren romanischen Kirchen recht streng an den Baustil der Basilika angelehnt. Sie kopierten in den Eingangsportalen sogar die römischen Triumphbögen. Allerdings wurde der ursprünglich in der Mitte einer Längswand gelegene römische Haupteingang auf die westliche Schmalseite der west-östlich ausgerichteten christlichen Basilika verlegt.

Im Laufe der folgenden Jahrhunderte vom 10. bis etwa zum 13. Jhdt. wandelten sich die romanischen Kirchen von strengen noch recht niedrigen Hallenbauten mit flacher hölzerner Deckenkonstruktion hin zu mehrgeschossigen Bauten mit Querschiffen, eindrucksvollen Türmen und an die Ostfront angebauten Apsiden. Der Grundriss wurde zum Kreuz, dem christlichen Symbol.

Im Übergang zur Gotik wurden die Bauten höher und die Deckenkonstruktion wandelte sich zur steinernen Gewölbedecke, die im Westen schon früh, im Osten später eingeführt wurde. Dies hatte sicher seinen Grund in der leichten Brennbarkeit hölzerner Dachstühle, zeigt aber auch, wie sich der kastenförmige und strenge romanische Baustil langsam zur eleganteren und verspielteren Gotik wandelte.


Beispiel St. Maria im Kapitol in Köln aus dem 11. Jhdt.


Beispiel Groß St. Martin in Köln aus dem 12. Jhdt.


Beispiel Sulzburg aus dem 10. Jhdt.


Beispiel Santa Sabina Rom aus dem 5. Jhdt.