Das Nibelungenlied - Sage - Epos - Mythos
Am 08.12.2010 hat Bibliotheksdirektorin Dr. Ute Obhof von der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe im Rahmen der Stettfelder Abendvorträge über das weltberühmte Nibelungenlied - Schwerpunkt die Karlsruher Handschrift ,C' - berichtet. 
Dr. Ute Obhof bei Ihren Ausführungen
Historische Begebenheiten des 5. Jahrhunderts nach Christus, die Zerschlagung des Burgunderreichs im Raum Worms durch die Römer mit Unterstützung hunnischer Hilfstruppen, könnten Anknüpfungspunkte für die Nibelungensage sein. In der Form der Sage wurde der Inhalt in verschiedenen Formen mit entsprechenden Änderungen über Jahrhunderte hinweg mündlich überliefert. Menschliche Eigenschaften wie Gier, Eifersucht, Rache und Hybris bilden den Kern der Geschehnisse. Die Sage bildet eine Art Brücke zur Völkerwanderungszeit. Durch die lange mündliche Überlieferungszeit des Stoffes wirkt der Text des Nibelungenliedes archaisch und ist von Widersprüchen geprägt.
Die schriftliche Fassung des "Nibelungenliedes", die wir lediglich kennen, ist nach herrschender Meinung in der Germanistik um 1200 in der Diözese Passau unter Bischof Wolfger von Erlau entstanden. Die Handschrift ,C' zeichnet sich von vorn bis hinten durch außerordentlich saubere und präzise Schreibweise und einen relativ großen Wortschatz aus, was auf einen einzigen Dichter bzw. Schreiber hindeutet, dessen Name aber nicht genannt wird. Die in der Handschrift ,C' enthaltene Fassung des Nibelungenliedes ist die Version, die vom mittelalterlichen Publikum bevorzugt wurde. 
Ausgesprochen präzises Schriftbild und reicher Wortschatz zeichnen die Handschrift ,C' aus
Die Wiederentdeckung des Nibelungenliedes erfolgte in Hohenems in Vorarlberg im Jahre 1755. Die Nibelungenhandschrift ,C', die sich heute in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe befindet, wurde von dem frühen Germanisten und Sammler Joseph von Laßberg (1770-1855) auf dem Wiener Kongress mit Mitteln der Fürstin Elisabeth zu Fürstenberg gekauft. Aus dem Fürstenberg-Besitz wanderte die Schrift schließlich in die Karlsruher Bibliothek. 
Joseph von Laßberg hat die Handschrift ,C' auf dem Wiener Kongress erworben
Die Handschrift ,A' befindet sich heute in der Bayerischen Staatsbibliothek in München, die Handschrift ,B' wird in der Stiftsbibliothek St. Gallen aufbewahrt. Die meisten Handschriften und Handschriftenfragmente, die wir heute kennen, überliefern die ,C'-Version.