Das römische Wimpfen am Neckar-Odenwald-Limes

Der Bauhistoriker Dr. Meinrad Filgis, ehemals Landesdenkmalamt Stuttgart, hat am 25.10.2010 vor über 30 Zuhörern schwerpunktmäßig über die archäologischen Funde bei den von ihm mit zwei weiteren Kollegen geleiteten Ausgrabungen 1983 - 1987 in Bad Wimpfen berichtet.
Bereits im 19. Jhdt. sind wiederholt wesentliche Funde registriert und schließlich gezielte Ausgrabungen im Stadtteil Wimpfen im Tal durchgeführt worden, die darauf schließen ließen, dass es sich um eine für damalige Verhältnisse recht große Anlage handelt. Die Archäologen, die Ende des 19. Jhdts. im Auftrag der Reichslimeskommission forschten, fanden heraus, dass Ende des 1. Jhdt. n. Chr. am Übergang vom Neckar- zum Odenwaldlimes ein römisches Kastell entstand, um das sich eine zivile Siedlung (vicus) in Holzbauweise entwickelte.


Wimpfen im Tal Ende des 19. Jhdts. (Wikipedia)

1983 - 87 wurden wegen geplanter Baumaßnahmen mehrere umfangreiche Rettungsgrabungen erforderlich, die zur Abrundung der schon vorher gewonnenen Erkenntnisse führten und das römische Wimpfen in die Reihe der größten römischen Siedlungen in Baden-Württemberg einfügten. Interessante Einblicke in die Bau- und Siedlungsstruktur ebenso wie in das Alltagsleben dieser römischen Stadt im Hinterland des Limes waren das Ergebnis.


Wimpfen im Tal - Übersicht über Ausgrabungen bis 1987 (aus Regia Wimpina Band 5)

Als die Römer um die Mitte des 2. Jhdt. das Militär nach Jagsthausen an den Obergermanisch-Raetischen Limes verlegten, avancierte dieser vicus zum Hauptort der civitas alisinensium und wurde durch eine Stadtmauer mit Türmen und Toren befestigt. Gleichzeitig lösten Steinbauten die bisherige Holzbauweise ab.
Der beachtliche Wohlstand der Bewohner, nachgewiesen durch die Entdeckung von Grundmauern großer Wohn- und Gewerbebauten mit komfortabler Inneneinrichtung und eines umfangreichen Kultbezirkes, gründet sicher auf der verkehrsgünstigen Lage am Fluss und an der Kreuzung zweier römischer Fernstraßen - einer Nord-Süd-Verbindung mit Neckarbrücke und einer west-östlichen Trasse.


Rekonstruktion der Götter des Kultbezirks aus den gefundenen Bruchstücken (aus Regia Wimpina Band 5)

Auf etwa 260 n. Chr. wird das Ende der Siedlung infolge der den Limes überrennenden Alamannen datiert.
Weil die römische Stadt im Überschwemmungsgebiet des Neckars an der Jagstmündung angelegt war, hat es in nachrömischer Zeit kaum Überbauungen des Gebiets gegeben, so dass die Ausgrabungen fast lückenlos erfolgen konnten.
Zu den bedeutenden Einzelfunden zählen die Götterstatuen und Reliefs im Kultbezirk von Jupiter, Juno, Minerva, Mars und weitere Statuen und Reliefs von weniger bedeutenden Gottheiten. Besonders eindrucksvoll ist die fast lebensgroße Plastik des Stadtgenius mit der Mauerkrone auf dem Kopf.


Stadtgenius von Wimpfen (aus Regia Wimpina Band 5)

Daneben fanden sich in einem Keller sorgfältig auf Stuck angebrachte Bemalungen der Halbrundbögen über Nischen und besondere dreieckige und rautenförmige Ornamente, denen man fast magische Bedeutung beimisst.


Römischer Keller: Wandnische bemalt: li. Original - re. Rekonstruktion (aus Regia Wimpina Band 5))

Von der umfangreichen Gewerbetätigkeit zeugen diverse Töpferöfen, Öfen zur Metallschmelze, Getreidedarren, Kalkbrennöfen und sogar Grillkanäle mit Holzkohlen- und Tierknochenfunden, die offenbar zur gewerbsmäßigen Verarbeitung von Rind- und Geflügelfleisch dienten.
Viele dieser Zeugnisse der römischen Siedlung Wimpfen - römischer Name unbekannt - finden sich heute im Museum im Steinhaus in Wimpfen am Berg.