Tag des offenen Denkmals am 12.09.2010 in Stettfeld

Besser hätte das Schwerpunktthema des bundesweiten Tages des offenen Denkmals gar nicht zu Stettfeld passen können. "Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr" , das passte wie angegossen auf die römische Vergangenheit unserer Gemeinde, die vor 2.000 Jahren an einer bedeutenden römischen Straßenkreuzung angesiedelt war.
Dem Thema entsprechend bot der Freundeskreis Römermuseum am Sonntag ein überaus bewegtes Programm.
Pünktlich um 10.00 Uhr begannen die ersten Führungen im Museum, die sich an besonders gekennzeichneten Schwerpunkten orientierten und bis 17.00 Uhr interessierte Besucher informierten. Da war die Straßenkreuzung, verantwortlich für regen Verkehr, der viele, teils recht exotische Waren und nach Stettfeld brachte. Die Großziegelei und -töpferei Stettfelds verdankte den Fernstraßen und vielen Bächen, häufig als Wasserstraßen genutzt, dass sie ihre Waren auch überregional absetzen konnte und damit sicher zu bedeutendem Wohlstand kam. Der cursus publicus, die Kaiserliche Post Roms, verfügte vor den Toren Stettfelds vermutlich über eine Pferdewechselstation, deren imposante Reste Anfang der 1990er Jahre an der alten Römerstraße Basel - Mainz vor den Toren Stettfelds ausgegraben wurden.
Hierzu passte ein Beneficiarier in vollem Gewand und mit seinem typischen Symbol, der Lanze, der im Römermuseum ausführlich nicht nur über die Besonderheiten seiner Kleidung, sondern auch von seiner Arbeit und seinen hoheitlichen Aufgaben als Straßenpolizist an Fernstraßen in der römischen Provinz berichtete. Neben der Tätigkeit als Ordnungshüter übernahm er auch Verwaltungsaufgaben, zum Beispiel bei der Transportorganisation oder der Kontrolle des Warenverkehrs. Ein römischer Legionär in voller Uniform unterstrich den Anspruch auf Recht und Ordnung.


Der Beneficiarier und sein Erfüllungsgehilfe, der Legionär

Schließlich waren interessierte Besucher am Nachmittag eingeladen, markante Lokalitäten des römischen Stettfeld unter fachkundiger Führung mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu erkunden.
Wolfgang Fischer, ganz stilecht als Römer gekleidet, führte rund 30 Interessierte zu den Stellen, an denen geschichtsträchtige Funde im Weichbild des Ortes gemacht wurden. Besonders sehenswert der römische Keller in der Römerstraße, die römischen Brunnen, der Nachbau des Brennofens. Aber auch die Tatsache, an den Orten zu verweilen, die von den Archäologen zu Beginn der systematischen Ausgrabungstätigkeit als besonders bedeutsam eingestuft und die offensichtlich wichtige Rolle des vicus unterstreichen, verhalf zu einem Gefühl der Verbundenheit mit der Geschichte des Ortes.


Der "Römer" W. Fischer erläutert die Bedeutung römischer Fundstätten in Stettfeld

Die mehr als 40 Radfahrer, die sich auch die weiter entfernten Bodendenkmale und Ausgrabungsstätten anschauen wollten, kamen dank sachkundiger Führung durch Thomas Förderer und Michael Schimmelpfennig voll auf ihre Kosten. Neben den Fundstätten direkt im Dorf durften sie auch den ehemaligen Wirkungsbereich des Zieglers und Töpfers LPL "Im Sand" in Augenschein nehmen. Bei herrlichem Wetter führte die Fahrt zu den noch im Boden schlummernden Bauwerken des Palastes "In den Hecken" und des römischen Bauernhofs "Am Schwedenbrunnen". Selbst der Fundort der Pferdewechselstation "Markgraben" zwischen Stettfeld und Ubstadt wurde angefahren.


Die Fahrrad-Exkursion kurz vor dem Start