Heidelberger Vielfalt — natur- und kulturgeschichtliche Eindrücke aus einer berühmten Stadt
war der Titel des im Winterhalbjahr 2009/2010 letzten Stettfelder Abendvortrags am 29.03.2010.
Jürgen Alberti aus Bad Schönborn referierte über Heidelberg, wie es kaum jemand kennt. Für die Illustration eines Kalenders zu Heidelbergs „Stadtnatur“ durchstreifte der Referent wochenlang die Heidelberger Gemarkung auf der Suche nach natürlichen und auch kulturhistorischen Schönheiten, auf die der oberflächliche Tourist nicht stößt. Als Biologe und Fotograf waren ihm dabei die kleinen Lebewesen und unscheinbaren Pflanzen ebenso wichtig wie die großen Vertreter der natürlichen Umwelt.
Aufgelockert wurde der Vortrag durch interessante und vergnügliche Ausflüge in die Historie einer Stadt, die Kulturgeschichte geschrieben hat und schwer unter der deutsch-französischen Konkurrenz zu leiden hatte.
Besonderen Wert legte er auf die Entdeckung ungewöhnlicher Pflanzen und Tiere, die man normalerweise in einer Großstadt nicht vermutet. Ein recht effektives Schutzprogramm der Stadt Heidelberg erlaubt heute das Überleben einer großen Artenvielfalt, was Heidelberg den Titel „Bundeshauptstadt im Naturschutz 2007“ eingetragen hat.
Berühmt ist als Ausgangspunkt der Philosophenweg nicht nur für seine Aussicht auf Alt-Heidelberg und Schloss sondern auch für seine Tier- und Pflanzenwelt, die die Wärme des Ortes nutzen. Geht man weiter in Richtung Ziegelhausen, gelangt man in den Wald, der auf Granit steht. Auffallend sind hier am Weg z. B. schöne Gruppen vom Tüpfelfarn, dem „Engelsüß“ früherer Kinder, die die unterirdischen Teile als „Süßholz“ kauten.
Man gelangt schließlich zur Abtei Neuburg, deren wechselvolle Geschichte im 12. Jahrhundert als Benediktinerkloster begann. An mageren Stellen in der Nähe der Anlagen wachsen die Rauhe Nelke, an Felsköpfen die am Stängel klebrige Pechnelke. Die zum Kloster gehörende „Stiftsmühle“, die vom Mausbach angetrieben wurde, ist verschwunden, nur der Gasthof blieb übrig.
Hinter dem Klosterareal führt ein Weg durch das Mausbachtal auf die sorgfältig gemähte „Mausbachwiese“. An den Rändern der Wiese zum Bach hin finden sich noch zahlreiche bis zu 1,5 m lange Wedel des sehr seltenen und geschützten Straußfarns. 
Der geschützte Straußfarn
Eine weitere, sorgfältig gepflegte Wiese im Wald namens „Kreuzgrund“, die früher mit Vieh beweidet wurde, verfügt über kostbaren Magerrasen. Sehr seltene Pflanzen und mit ihnen auch zahlreiche Insekten, vor allem Falter, haben hier auf Heidelberger Gemarkung ihren einzigen Lebensraum.
An den Mauern zur Ziegelhäuser Landstraße steht in Massen eine unscheinbare Pflanze, das Ausgebreitete oder Ästige Glaskraut. Die sehr seltene, zerbrechliche Pflanze stammt aus dem Mittelmeerraum. Sie wurde wohl von den Römern nach hier verschleppt.
Hier leben auch die besonders seltenen und geschützten Mauereidechsen. 
Porträt einer Mauereidechse
Überraschend war das Auffinden einer bis auf 1000 Tiere geschätzten Population überwiegend von Mauereidechsen im Gleisschotter des alten Güterbahnhofs, als man dort mit den Arbeiten zur „Bahnhofsstadt“ begann. Der gesetzliche Tierschutz verlangte, dass die Tiere vor Baubeginn umgesiedelt werden, was noch nicht abgeschlossen ist.
Auf den großen Neckarwiesen tummeln sich im Sommer nicht nur viele Studenten sondern auch Nil- und Höckergänse.
Die Höcker- oder Schwanengans, ein stattlicher Vertreter dieser Vogelgruppe, hat in Heidelberg ihre einzige wild lebende Population in Deutschland. Sie stammen von den Küsten Ostasiens und sind die Stammform der als Haustier gehaltenen Höckergans. Viel weiter verbreitet ist die Nilgans. 
Ein Nilgans-Paar am Neckarufer
Die farbenprächtigen Tiere sind viel kleiner als die Schwanengänse. Sie brüten überall, am Boden und in Storchenhorsten, in dichter Vegetation, in Baumhöhlen, auf Masten und Brücken.
An der Dossenheimer Landstraße werden drei überalterte Kirschbäume weiter erhalten, denn in ihnen wohnt die seltene Stöpselkopfameise.
Im Heidelberger Odenwald kurz vor der Stadtgrenze liegt die frühere Allmende „Hirschwiese“, z. T. in der feuchten Bachaue mit über 100 Pflanzenarten, die etwa 100 Arten von Schmetterlingen, darunter Trauermantel und Aurorafalter, ernähren. Im bergauf liegenden ehemaligen Steinbruch sind die Abbruchwände so frei, dass sie für die Wanderfalken, die seit Jahren regelmäßig auf dem Turm der Heiliggeistkirche brüten, von Interesse sein könnten.
Halsbandsittiche stammen aus den Savannen Nord-Afrikas bis hin nach Südost-China. Die erste Brut in Heidelberg fand 1990 statt, jetzt sind es schon über 700 Vögel. 
In Heidelberg freilebender Halsbandsittich
An diesen schönen Vögeln kann man leicht aufzeigen, warum das erfolgreiche Leben in der Stadt durch so viele Tiere und Pflanzen zustande kommt: keine Verfolgung durch den Menschen, sehr viele verschiedene Lebensräume wie Gärten, Parks, Einzelbäume, Straßengrün, Gebüsche, Friedhöfe, Vorgärten, kein Spritzen, kein Düngen, höhere Temperaturen im Winter, Fütterungen direkt durch die Menschen, aber auch indirekt an Müllablagerungen oder in der Nähe von Mühlen, Speichern oder Güterbahnhöfen. Ein besonders interessanter Wald ist der am Steilhang des Königsstuhls zum Neckar hin. Auf den Felsbrocken und zwischen ihnen hat sich z. B. das Punktierte Hornlebermoos etabliert, das in seiner Erscheinung eine Vorstellung davon gibt, wie einst die Pflanzen vom Meer aus das Land eroberten.
Im Südwesten hat Heidelberg an der Grenze zu Leimen Anteil an dem ehemaligen Steinbruch des Zementwerkes, der heute Naturschutzgebiet ist. Immer wieder seit etwa 10 Jahren tauchen hier Uhus auf und haben auch teilweise erfolgreich ihre Brut hochgebracht.