Einprägsamkeit en gros. - die Porträts Kaiser Maximilians I.
lautete der Titel des Stettfelder Abendvortrags am 23.02.2010.
Die Kunsthistorikerin Dr. Anja Eisenbeiß von der Heidelberger Universität hat sehr detailliert über die Art und Weise berichtet, wie der mittelalterliche Herrscher Maximilian I. mit einer Vielzahl veröffentlichter Porträts dafür sorgte, dass er seinen Untertanen im Gedächtnis blieb. Sie stellte dabei Vergleiche an zu den Bildern antiker Größen wie z. B. des Perikles, Alexanders des Großen und von Augustus ebenso wie zu denen mittelalterlicher Fürsten und eines Papstes.
Sie hat bei Ihren Untersuchungen herausgefunden und schlüssig dargelegt, dass es bei den Herrscherbildern nicht so sehr darauf ankam, eine bestimmte Person getreulich abzubilden. Die eigentliche Absicht war, mit den Porträts bestimmte tatsächlich vorhandene oder auch gewünschte Eigenschaften der Öffentlichkeit nahe zu bringen. Wichtig war, dass bestimmte Bildmerkmale für Unverwechselbarkeit und Wiedererkennung sorgten.
Von kaum einem Herrscher des Mittelalters haben sich so viele Bildnisse erhalten, wie von Kaiser Maximilian I. (1459-1519). Die Referentin stellte zunächst eine Federzeichnung von 1510 über eine Porträtsitzung Maximilians vor, bei dem weltliche und kirchliche Würdenträger sozusagen die Authentizität des Vorgangs bezeugen. Solche Sitzungen hat es mehrfach (z. B. Jörg Muskat, Albrecht Dürer) gegeben, doch sind wohl die meisten Bildnisse danach auf Basis von Bildvorlagen entstanden.
Dr. Eisenbeiß stellte eine Reihe der bedeutendsten Bildnisse Maximilians als Holzschnitte, Gemälde, Bronzebüsten, Münzen, Tafelbilder und Buchdruckexemplare vor, auf denen der Herrscher mit seiner markanten Habsburger Hakennase mit jeweils angemessener Tracht oder im Harnisch, oft mit Granatapfel und den Insignien seiner Macht dargestellt war. Die Gesichtszüge waren dabei sowohl an das Lebensalter als auch an die jeweils gewünschte politische Aussage angepasst. Die Zusammensetzung aller Details war den jeweiligen Umständen entsprechend mit Bedacht gewählt und sollte den Herrscher als fromm, mutig, entschlossen, kampfbereit oder väterlich nachsichtig und gütig charakterisieren.
Erstaunlich war, dass sogar einem Vorfahren Maximilians, dem König Rudolf I., die sogenannte Habsburger Nase postum an einem Bronzestandbild in der Innsbrucker Hofkirche verpasst wurde. Er wurde dadurch Maximilian täuschend ähnlich, obwohl sein Bild auf dem Grabmal im Speyerer Dom anders aussieht. Mit diesem Beispiel und mit der Reliefdarstellung Maximilians und seines Enkels Karl V. mit sehr ähnlichen Gesichts-Profilen zeigte sie, wie mithilfe der Bildnisse der Habsburger Machtanspruch über mehrere Generationen verdeutlicht wurde.
Jörg Muskat: Bronzebüste Maximilians I.
Maximilian im Harnisch
Albrecht Dürer: Maximilian I.