Das Königreich der Vandalen Besuch der Sonderausstellung des Badischen Landesmuseums Karlsruhe am 06.02.2010
17 Teilnehmer waren diesmal dabei, als der Freundeskreis zu einem gemeinsamen, fachkundig geführten Besuch der Sonderausstellung lud.
Alle waren überrascht über die vielseitige und mit wertvollen Original-Exponaten ausgeführte Ausstellung, die dank der Unterstützung der tunesischen Behörden außerordentlich authentisch war.
Über die Vandalen, die während der Völkerwanderungszeit aus ihren ursprünglichen Siedlungsgebieten im heutigen Schlesien, Siebenbürgen und Ungarn als lockere Gruppierungen zusammen mit anderen Völkerstämmen zunächst über den Rhein Richtung Gallien und dann via Hispanien nach Nordafrika zogen, sind schriftliche Zeugnisse und archäologische Funde Mangelware.
Deshalb bemüht sich diese Ausstellung, Artefakte aus der durch zeitgenössische „Historiker“ und spätere Literatur belegten Vandalenzeit des 4. bis 6. nachchristlichen Jahrhunderts zu zeigen, wenn sie auch zum Teil nicht direkt von den Vandalen stammen. Sicher scheint, dass die Vandalen zusammen mit Alanen um 429 von Gibraltar aus in die römischen Provinzen Nordafrikas vordrangen und 439 Karthago eroberten. Diese logistische und militärische Leistung war in erster Linie König Geiserich aus dem Geschlecht der Hasdingen (Langhaarige) geschuldet.
Nachdem später das Vandalenreich auf römischem Territorium sowohl von West- als auch von Ostrom anerkannt worden war, setzte die Konsolidierung der Vandalenherrschaft in Afrika ein. Das geschah durch die weitgehende Übernahme der ertragreichen Landwirtschaft durch die vandalische Führung, die Beteiligung der Vandalen-Soldaten an der Landnahme und die Assimilierung der Vandalen durch die römische Bevölkerung. Allerdings war die strenge Verfolgung der katholischen Christen durch die arianischen Vandalen zeitweilig ein großes Hemmnis. Mit der zunehmenden Schwäche Westroms erfolgte die Ausdehnung der Vandalenherrschaft auf das westliche Mittelmeer (Balearen, Sardinien, Korsika und Sizilien) verbunden mit regelmäßigen Raubzügen bis nach Rom.
Die reiche Kornkammer Nordafrika und ein blühendes Keramikhandwerk waren die Basis der erfolgreichen Exportwirtschaft, die lückenlos an die vorherige römische Zeit anschloss. Nach Geiserichs Tod 477 und zunehmendem Machtverfall ging das Vandalenreich mit der Eroberung durch den oströmischen Kaiser Justinian I. und seinen Heerführer Belisar im Jahr 534 unter. Ein Jahrhundert später fiel auch diese letzte Bastion des oströmischen (byzantinischen) Reichs in Afrika unter dem Ansturm der Moslems.
Die Grabungsfunde in Tunesien, dem früheren Kernland des Königreiches der Vandalen, in Algerien und Marokko bezeugen, dass sich die keramischen und metallischen Gebrauchsgegenstände und Schmuckstücke, Plastiken aus Stein und Metall, die kunstvollen Mosaiken und die Bauten aus dem Jahrhundert der Vandalen kaum von denen der früheren und späteren Zeit unterscheiden. Lediglich die „barbarischen“ Namen in Inschriften, auf Münzen und Schriftstücken bezeugen, dass hier Vandalen eine Rolle spielten.
Selbst die sakralen Bauten lassen kaum Rückschlüsse darüber zu, ob hier katholische oder arianische Christen gebetet haben.
Auch zu der Sprache der Vandalen gibt es mehr Annahmen als schlüssige Beweise. Anscheinend war ihre Sprache dem Gotischen ähnlich, allerdings wurden bisher keine zusammenhängenden Schriftzeugnisse gefunden sondern nur Einzelworte z. B. liturgischer Art.
Grabmosaik des vandalischen Kriegers Arifridos
Die Dame von Karthago (Mosaik mit der Stadtgöttin)
Schmuck aus dem Grab einer vornehmen Vandalin
Blick in die Ausstellung „Das Königreich der Vandalen“