Einheimischer und römischer Götterhimmel

Stettfelder Abendvortrag von Dr. Manfred Kotterba aus Ketsch am 15.01.2008:
Vor rund 2000 Jahren kannten unsere Vorfahren in den von den Römern besetzten Gebieten Germaniens eine große Vielfalt von Gottheiten. Der von den Griechen übernommene römische Götterhimmel wurde im Zuge des Wachstums des Weltreiches um aus den asiatischen und afrikanischen Provinzen importierte Götter ergänzt. Aber selbstverständlich wurden auch die heimischen keltischen (gallischen) und germanischen Götter verehrt und schließlich mit den römischen vermischt.

Die Römer waren ausgesprochen tolerant gegenüber fremden Religionen, solange sie nicht gegen gewisse Grundsätze verstießen. Hierzu zählte in erster Linie, dass sie nicht die Staatsgewalt in Frage stellten und den eigentlichen römischen Götterhimmel nicht antasteten. Ab Augustus wurden zusätzlich die Kaiser Göttern gleich gesetzt.

Der Verehrung der Götter wurde auch in den germanischen Provinzen sowohl durch Aufstellen von Plastiken in den Häusern als auch durch Tempel in größeren Gemeinwesen Ausdruck verliehen. Dabei dienten die Tempel oft mehreren Gottheiten. Ein häufig anzutreffendes Baumuster war der sogenannte gallorömische Umgangstempel.

Im Laufe der rund 3 Jahrhunderte römischen Einflusses in unserem Gebiet sind viele der einheimischen Götter mit ähnlichen Eigenschaften wie die der römisch-griechischen Gottheiten lokal modifiziert worden. Mit entsprechenden Bildern dokumentierte Dr. Kotterba, dass eine Vielzahl von Inschriften, Reliefs und Skulpturen aus jener Zeit dies verdeutlichen.

Ein Beispiel ist die Göttin Diana, die mit der keltischen Abnoba verschmolz. Sie war die Schutzgöttin z. B. des Schwarzwaldes. Für den Wald, die Quellen, das Wild und ebenso die Jäger war sie Schutzpatronin. Viele Funde entlang des Oberrheins und im Schwarzwald bezeugen dies.


Zeichnung einer Statue der Diana Abnoba

Sehr häufig wurden auch Darstellungen des Merkur als Götterbote und wichtigem Gott des Handels mit örtlichen Modifikationen bei Ausgrabungen gefunden. Das legt nahe, dass die Merkurverehrung in unseren Breiten zu römischer Zeit beinahe ausgeprägter war als in Rom selbst.
Auch der Hauptgott Jupiter kam nicht ungeschoren davon, wurde er doch mit den entsprechenden keltischen und germanischen Haupt-Gottheiten gleichgesetzt und zusammen mit diesen verehrt. Die sogenannten Jupitergigantensäulen waren z. B. im römischen Germanien äußere Zeichen für die Jupiterverehrung, wobei die Darstellung von Jupiter hoch zu Ross über dem besiegten Giganten von dem üblichen auf dem Thron sitzenden römischen Jupiter abweicht.
Aus Syrien kommt eine weitere Jupitermodifikation: Jupiter Dolichenus, der meist mit Doppelaxt und Blitzbündel auf einem Stier stehend abgebildet wurde. Das römische Militär hat diesen Kult nach der Besetzung der Provinz Syria über das ganze Reich verbreitet.


Statuette des Jupiter Dolichenus

Auch der Mithras-Kult, ebenfalls von römischen Soldaten aus Asien in die germanischen Provinzen importiert, erfreute sich vor 2000 Jahren bei unseren männlichen Vorfahren großer Beliebtheit bis er als größter Konkurrent des Christentums von dieser Lehre total verdrängt wurde.
Die christliche Lehre schließlich mit ihrem Ausschließlichkeitsanspruch führte konsequent zu Verfolgungen durch die Staatsgewalt, bis sie schließlich im Jahr 381 zur Staatsreligion des römischen Reiches erklärt wurde.
Eine ausführliche Diskussion schloss sich dem sehr interessanten und von großem Fachwissen geprägten Vortrag an.