Die Wandmalereien des Klosters Lobenfeld

Bild- und Erzähltradition.
Stettfelder Abendvortrag am 12.03.2008 von Dr. Tino Licht aus Heidelberg:
In seinem Lichtbildervortrag ging der Referent, Spezialist im Latein des Mittelalters, auf die besondere Art der Kommunikation in der christlichen Kirche des Mittelalters am Beispiel des Klosters Lobenfeld bei Sinsheim ein.
Zunächst stellte er die Schriftsprache Latein als die Sprache vor, die sich von der Antike bis heute erhalten hat. Waren zu Zeiten des römischen Weltreiches die Schrift der Gebildeten und ihre gesprochene Sprache noch einigermaßen deckungsgleich, so gab es nach dem Zerfall des Reiches ab dem 7./8. Jahrhundert eine Spaltung in der Entwicklung. Die Schriftsprache wurde durch die katholischen Mönche intensiv in Grammatik und Orthografie konserviert. Sie hat sich bis heute als Sprache des Klerus und der Wissenschaften erhalten. Die Mehrzahl der Laien wandelte dagegen das bisher gesprochene Vulgärlatein im Laufe der Jahrhunderte in die heutigen romanischen Sprachen Französisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch. Im Zuge der Völkerwanderung sind zudem germanische und slawische Sprachen entstanden.

Um ihre Erkenntnisse und Kommentare zur Heiligen Schrift sichtbar zu machen, bedienten sich die Mönche des Mittelalters einer Art Bildersprache, indem sie Typen des alten Testaments mit neutestamentlichen Typen gleichsetzten. Dies geschah sowohl in Form von Malereien in alten Handschriften als auch in Wandmalereien wie denen des Klosters Lobenfeld.
Im Vortrag wurde versucht, mit Kenntnis der alten Sprache und der Auslegungs-Traditionen der Bibel den um 1200 entstandenen und erst im 19. Jahrhundert wieder entdeckten romanischen Wandmalereien des Klosters Lobenfeld, näher zu kommen. Die Bilder sind zwar durch die Jahrhunderte verblasst und schwer zu deuten. Doch gelingt es hin und wieder, eine Szene und sogar ein ganzes Bildensemble zum Sprechen zu bringen.
Die Südwand des Chores weist 2x4 Bildfelder auf, die noch annehmbar erhalten sind. Die oberen vier Bilder werden bisher als Szenen aus dem Leben von St. Martin interpretiert, was der Referent auf Grund eigener Untersuchungen in Zweifel zieht.
Durch die sogenannte damals übliche Typologie und deren Bezüge zwischen alt- und neutestamentlichen Bibeldarstellungen stieß Dr. Licht statt dessen auf die wahrscheinlichere Darstellung von Szenen aus dem Leben Jesu. Die untere Bildreihe zeigt nämlich unbestritten Daniel in der Löwengrube und nach neuesten Erkenntnissen von Dr. Licht Hiob im Elend. Letzteres ergibt sich einerseits aus dem Bild selbst und andererseits aus dem Schriftband mit der Aussage des Mannes. Da die unten dargestellten Szenen aus verschiedenen Teilen des Alten Testaments stammen und keine Beziehung zueinander aufweisen, dienen sie lediglich als Typen mit Beziehung zu den darüber dargestellten Antitypen des Neuen Testaments.
Eine solche Beziehung kann Dr. Licht deuten: Daniel in der Löwengrube entspricht der Höllenfahrt Christi, wie ein Vergleich mit Handschriften des 14. Jhdts. (Heilsspiegel) zeigt. Die zu Hiob korrespondierende Szene des Neuen Testaments ist allerdings noch nicht gefunden. Weitere Forschungen in dieser Richtung sind notwendig, da das obere Bild eine Szene bei Tisch darstellt, zu der sich bisher keine erniedrigende Entsprechung aus dem Leben Jesu erkennen lässt. Auch die anderen Bilder warten noch auf Deutung.