Von Römern und Alamannen – Ausgrabungen in Heidenheim-Fürsamen

lautete das Thema des zweiten Stettfelder Abendvortrags am Montag, dem 27.10.2008. Dr. Peter Knötzele musste seinen Zuhörern zunächst eine herbe Enttäuschung bereiten: weder von den Römern noch von den Alamannen fanden sich bei der großflächigen Untersuchung eines als Neubaugelände ausgewiesenen Areals von 40.000 m2 besonders spektakuläre Funde.
Doch die Archäologen ließen sich dadurch nicht entmutigen, konnten sie doch im Zeitraum von 1998 bis heute das bislang neuzeitlich unbebaute Gelände systematisch auf Siedlungsspuren untersuchen. Und da fanden sich äußerst interessante Hinweise auf das Leben der Menschen nach dem Zusammenbruch der römischen Herrschaft im 3. Jhdt. n. Chr.. Die Alamannen hatten ja den Limes überrannt und haben ganz offensichtlich den von der Natur begünstigten Platz, der vom römischen Militär wohl hauptsächlich für Pferdekoppeln genutzt wurde, für Wohnzwecke erschlossen. Dabei spielten sicher auch der sehr fruchtbare Boden, die Nahrungsquelle Fisch, die topologisch günstige Lage gegen Hochwasser und der Nord-Süd-Verkehr im Brenztal eine Rolle.
Die Grabungs-Befunde bestehen im wesentlichen aus Gruben, Gräbchen, Gräben und Pfostenstellungen, die alle untersucht und vermessen werden. Dazu kommen Spuren von Rennöfen und Tröpfchenschlacke und belegen die Eisenverhüttung und Verarbeitung vor Ort.
Auch ein Ofen, der vermutlich zum Bleigießen genutzt wurde, und ein Töpferofen aus römischer Zeit bestätigen die vielfältige Nutzung des Siedlungsareals.Die Auswertung der Pfostenlöcher führte zu dem bemerkenswertesten Befund, einem Speicherbau mit einer Grundfläche von über 40m2. Hierbei handelt es sich um ein Bauwerk auf Stelzen mit einem Durchmesser von nahezu 60 cm, die das Gebäude vom Boden abhoben und so vor Feuchtigkeit und Ungeziefer schützten. Ein weiteres eindrucksvolles Untersuchungsergebnis war ein Langrechteckhaus mit einer massiven Wandkonstruktion und Pfosten mit einem Durchmesser von rund 40 cm.
Daneben weisen die Befunde auf sogenannte Grubenhäuser, bestehend aus einer Grube, die etwa 1 m in den Boden eingetieft und mit einem Dach geschützt wurde. Hier gibt es mehrere Ausführungen, möglicherweise für Vorratshaltung oder handwerkliche Zwecke genutzt.
Aber nicht die Befunde einzeln betrachtet sondern in ihrer Gesamtheit sind das Wesentliche dieser archäologischen Ausgrabung. Da noch eine Menge weiterer Arbeit auf die Archäologen wartet, bietet sich hier langfristig die einmalige Möglichkeit, eine frühalamannische Siedlung vollständig zu untersuchen und zu dokumentieren. Gesteigert wird die Bedeutung dieser Ausgrabung durch den Umstand, dass auf der gegenüberliegenden Seite der Brenz bereits die Nachfolgesiedlung lokalisiert wurde.





Alamannischer Speicherbau: oben Pfostenlöcher mit Rekonstruktion, unten mittelalterliche Zeichnung