Bruchsal: Bevorzugte Höhenlage – Dörfer der Michelsberger Kultur vor 6000 Jahren
Vortrag von Birgit Regner-Kamlah MA am 24.11.2008 über Bekanntes, Neues und Rätselhaftes aus der Bruchsaler Jungsteinzeit vor 6000 Jahren.
Die Referentin aus Bruchsal präsentierte im Rahmen der Stettfelder Abendvorträge des Freundeskreise Römermuseum einen Abriss über die „Michelsberger Kultur“.
Eine Handvoll Scherben, 1884 von einem Spaziergänger auf dem Michaelsberg bei Untergrombach gefunden, löste die Erforschung des gesamten Gebietes aus. Der Begriff der „Michelsberger Kultur“ war geboren, einer Epoche der Jungsteinzeit, die hier und später in Bruchsal-Aue, -Scheelkopf und in Heidelsheim-Altenberg entdeckt wurde.
Die rund 60 Zuhörer erfuhren von den Ergebnissen der Grabungen, die bereits 1885 begannen. Als charakteristisch für die damaligen Kraichgauer erwies sich zum einen der „Tulpenbecher“ als typischer Keramikstil, zum anderen die sogenannten Erdwerke. Hiermit wird eine systematische Graben- und Erdwallanordnung bezeichnet. Zum Teil fand man mehrere parallel nebeneinander, bogenförmig angelegt und mit einer unterschiedlichen Anzahl von Toren. Über die Funktion sei man sich nach wie vor nicht ganz klar, berichtete die Archäologin. Die Interpretationen reichten von Verteidigungsanlage über Marktplatz und Viehhöfe bis hin zu Kultstätten und letztendlich Siedlungen, obwohl man keine Hinweise auf Häuser gefunden habe. Indizien wie Lehmverputzreste machen jedoch eine Besiedlung wahrscheinlich.
Zwei Jahre lang hat Birgit Regner-Kamlah sich im Rahmen ihrer Abschlussarbeit durch mehrere Regalmeter Dokumentationsaufzeichnungen und viele Tausend Fotos gearbeitet und die Vermutung bestätigt, dass die drei Gräben des Erdwerkes auf dem Bruchsaler „Auberg“ zu unterschiedlichen Zeiten angelegt wurden und damit mindestens zwei Besiedlungsphasen angenommen werden können.
Die Tatsache, dass die Erdwerke auf erosionsanfälligem Lössboden stehen, der die Gräben schnell zuschwemmt, erschwert die Forschung. In der Grabungsdokumentation sei jedoch klar zu erkennen, dass es zu verschiedenen Zeitpunkten Umbaumaßnahmen an den Gräben gegeben hat. Die Archäologin konnte durch ihre Arbeit wichtige neue Erkenntnisse über den Ablauf der Arbeiten an den Mulden bzw. Wällen gewinnen.
Ein weiterer Forschungsbereich betrifft die Knochenfunde in den Gräben, in denen auch jede Menge steinzeitlicher Müll, wie beschädigte Keramiken und Schlachtabfälle gefunden wurde. Die menschlichen Skelette in den Abfallgräben stammten meist von Kindern und älteren Erwachsenen. Doch das Geheimnis um die Menschen und ihre Totenbehandlung gibt die Michelsberger Kultur noch nicht preis.
Die Referentin wurde begleitet von Reiner Dick vom „Arbeitskreis Experimentelle Archäologie im Heimatverein Kraichgau“, der eine ganze Reihe rekonstruierte Keramiken und Werkzeuge aus der Jungsteinzeit mitgebracht hatte. 
Die typischen Glockenbecher werden präsentiert
Die Referentin und H. Dick mit Exponaten der experimentellen Archäologie, der Jungsteinzeit nachempfunden