Der virtuelle Palast. Wie die Römer in den Computer kommen.
Prof. Dr. Peter Henning von der Hochschule Karlsruhe berichtete am 22.02.2007 aktuell über etwas ganz Besonderes: nicht über neue archäologische Funde oder geschichtliche Spuren sondern über Computertechnologie im Dienste der Archäologie, moderne Archivierung, Auswertung von Datenfluten und Wissensmanagement.
Aber auch die Grenzen der Archivierung durch die begrenzte Lebensdauer von CDs und anderen Speichermedien und deren Lesegeräten wurde aufgezeigt. Alles das wurde wirkungsvoll in Bezug gesetzt zum römischen Stettfeld und seinem Palast „In den Hecken“.
Professor Henning ist studierter Physiker und Wirtschaftswissenschaftler und nunmehr Leiter des media::lab an der Hochschule für Wirtschaft und Technik Karlsruhe. Er beschäftigt sich hier interdisziplinär unter anderem mit dem Einsatz moderner Medien für die Sammlung, Aufbereitung und Visualisierung umfangreichen Datenmaterials aus den unterschiedlichsten Anwendungsbereichen.
Als Beispiel wurde die Geomatik genannt, die sich u. a. mit der computergesteuerten Herstellung von Kopien antiker Ausgrabungsfunde beschäftigt. Mit Hilfe von Laserscannern berührungslos gewonnene Daten eines Fundes werden mit einem Computerprogramm so nachbearbeitet, dass z. B. ein CNC-Programm entsteht, mit dem man aus einem Kunststoffblock die Kopie des Fundes in beliebigem Maßstab „naturgetreu“ herausfräsen kann.
CAD-Programme ähnlich denen, die heute in den Konstruktionsabteilungen des Maschinenbaus verwendet werden, kommen zur Anwendung, wenn virtuelle Darstellungen nicht mehr existenter Objekte im Rechner entwickelt werden. Die virtuelle Rekonstruktion von realen Gebäuden und deren Einbindung in virtuelle Filme ist ein weiteres Beispiel aus seinem reichhaltigen Tätigkeitsfeld. Durch die glückliche Verkettung einiger Zufälle ist er auf Stettfeld, sein Museum und den im Boden schlummernden Palast gestoßen.
Mit Hilfe von Studien- und Diplomarbeiten an seinem Institut sollen alle vorhandenen Daten über Stettfelds römische Vergangenheit gesammelt, zweckdienlich bearbeitet und Zug um Zug visualisiert werden.
An erster Stelle steht die Auswertung der geophysikalischen Arbeiten von Dr. von der Osten aus 2003 und 2006 und der Ausgrabung von Herrn Bauer aus den Jahren 1958/59 mit dem Ziel, einen virtuellen Film über den Palast „In den Hecken“ zu erstellen. Der zweite Schritt soll sich auf das gesamte Stettfeld erstrecken und einen Bezug zwischen der modernen Überbauung und dem antiken Stettfeld herstellen. Der zukünftige Besucher des Römermuseums soll z. B. am Bildschirm ein Ausstellungsobjekt des Museums markieren, sich seine Fundstelle 2- oder 3-dimenensional im heutigen Stettfeld anzeigen lassen und seine virtuelle Umgebung und Funktion im antiken Stettfeld visualisiert bekommen. Natürlich soll er auch die Gelegenheit haben, das antike Stettfeld virtuell zu durchwandern.
Dazu benötigt Prof. Henning die Hilfe von behördlichen Institutionen genau so wie die der ehrenamtlich tätigen Mitglieder des Freundeskreises Römermuseum. Auch Dr. Knötzele, der ja über die Ausgrabungen in Stettfeld promoviert hat, soll einbezogen werden. Obwohl schon eine Reihe wesentlicher Voraussetzungen geschaffen wurde, sind die noch geplanten Arbeiten sehr zeit- und kostenaufwendig und stoßen an die finanziellen Grenzen des Instituts. Deshalb werden Sponsoren zur Unterstützung des ehrgeizigen Vorhabens gesucht.