Das römische Stettfeld - nicht nur ein Straßenknotenpunkt Neue Ausgrabungen im Großbetrieb des LPL

Vortrag am 22.03.2007 von Frau Dr. Britta Rabold vom Regierungspräsidium Karlsruhe über aktuelle Ausgrabungsergebnisse in Stettfeld.

Dass das römische Stettfeld mit seiner Lage an der Kreuzung der römischen Fernverbindungen Basel – Mainz und Augsburg – Speyer eine gewisse Bedeutung hatte, ist hinreichend bekannt. Dass diese Bedeutung eventuell größer war, als bislang gedacht, wird immer wahrscheinlicher.
Die Leiterin der römischen Abteilung des Bereichs archäologische Denkmalpflege im Regierungspräsidium Karlsruhe ist mit der römischen Vergangenheit Stettfelds bestens vertraut und führt auch die aktuellen Grabungen in den Gewannen „Wachsäcker“ und „Großer Sand“ zwischen Stetfeld und Weiher.
Dort, so erläuterte Dr. Rabold den mehr als 60 interessierten Zuhörern im Stettfelder Römerkeller, waren bereits 1982 und 1992 Teile eines Töpferei- und Ziegeleibetriebes untersucht worden. Durch die im vergangenen Jahr begonnenen Notgrabungen auf der Sanddüne und die dort konzentrierten, massiven römischen Befunde ließe sich das tatsächliche Ausmaß dieses Betriebes nun auf mindestens 5 ha Größe schätzen. Anhand der Ergebnisse erhielt das Auditorium von der Archäologin einen profunden Einblick in den Vorgang der antiken Ziegelherstellung.
Im April wird die Arbeit an den Ausgrabungen wieder aufgenommen, und es könnten noch einige interessante Entdeckungen gemacht werden. So werde beispielsweise verstärkt auf Terra Sigillata-Spuren geachtet. Fragmente dieses römischen Luxusgeschirrs waren in Stettfeld gefunden worden und möglicherweise ließen sich Hinweise auf eine Fertigung am Ort ableiten.
Und natürlich erhofft man sich, hinter das Geheimnis von „LPL“ zu kommen. Dieses Kürzel taucht als Stempel auf vielen Ziegelscherben auf und man weiß, so Dr. Rabold, „dass LPL nicht nur geziegelt, sondern auch getöpfert hat.“ Nur warum er seinen Namen nicht ausgeschrieben hat, wie andere Töpfer, ist bisher nicht erklärbar. Unterschiedliche Stempelarten deuten darauf hin, dass in diesem Betrieb verschiedene Produktserien hergestellt und nicht nur regional ausgeliefert wurden.
Auch eine Verbindung zwischen der LPL-Ziegelei und dem Palast „In den Hecken“ mag Dr. Rabold nicht ganz ausschließen. Größe und Bauweise dieses durch geophysikalische Messungen „ersichtlichen“ Gebäudes seien eher für Gallien oder Luxemburg bekannt, aber weniger für Gebiete rechts des Rheines.
Die beiden archäologischen Zeugnisse der römischen Vergangenheit deuten darauf hin, dass Stettfeld „nicht nur ein Straßenknotenpunkt war. Hier muss etwas ganz Besonderes gewesen sein.“