Die letzten 2000 Jahre im südlichen Rhein-Neckar-Kreis im Spiegel archäologischer Funde und archivalischer Auswertungen

Bericht über den Stettfelder Abendvortrag am 25.10.2007:
Der Referent Dr. Ludwig Hildebrandt aus Wiesloch hat sein Referat mit der römischen Zeit begonnen – auch Wiesloch verdankt seine Entstehung als Siedlung unter anderem der Kreuzung zweier römischer Fernstraßen. Das ist zum einen die Nord-Süd-Verbindung von Basel bis Köln und eine Ost-West-Trasse von Speyer Richtung Bad Wimpfen. Beide Straßen wurden auf Wieslocher Gebiet nachgewiesen. Doch bevor es zu diesen Straßen und der römischen Siedlung kam, lebten in diesem Gebiet Kelten und Helvetier, die dann zum größten Teil später durch Sueben abgelöst wurden.
Dank seiner Tätigkeit als ehrenamtlicher Denkmalpfleger und Hobbyarchäologe konnte der promovierte Geologe als Beweis für seine Darstellung der Geschichte immer wieder mit seinen Dias auf zum Teil spektakuläre Ausgrabungen verweisen.
So wurden zum Beweis der militärischen Bautätigkeit (Kastelle) die Spuren großer Kalkbrennöfen entdeckt. Der Schauplatz der von römischen Geschichtsschreibern dokumentierten Schlacht am Mons Piri um 369 n. Chr. wird von Dr. Hildebrandt aufgrund von Massengrab-Funden aus dieser Zeit bei Wiesloch vermutet und nicht bei Heidelberg. Über die Merowingerzeit mit beachtlichen Funden z. B. in Leimen und einer Großtöpferei in Wiesloch, die die sogenannte Wieslocher Ware herstellte, ging es in Riesenschritten ins 9. Jhdt. zum Beginn des Silberbergbaus in Wiesloch und Nussloch. Das Gebiet war im frühen Mittelalter sozusagen das Technologiezentrum des Erzbergbaus und beeinflusste alle ähnlichen Aktivitäten vom Schwarzwald bis zum Harz.
Die Ausbeutung der Silber- und Bleiminen brachte den Herrschenden enorme Erträge, die z. B. auch in den Bau gewaltiger Kirchen (Speyer, Worms und sogar Wiesloch selbst) flossen. Der Referent schätzt den Ertrag auf ca. 10 Milliarden €, von denen der König etwa 50% erhielt. Der Erzbergbau und die spätere Verhüttung brachte Wiesloch nicht nur Glück: bis heute leidet die Umwelt unter der mit giftigen Schwermetallen verseuchten Schlacke und dem Abraum, die oberflächig abgelagert wurden.
Weiter ging’s im Sauseschritt durch die Vergangenheit. Das Mittelalter wird nun besser dokumentiert: durch erhaltene Urkunden und durch Ausgrabungen. Die Zeit der Grafschaften im 12.Jhdt. mit ihren Lehnsherren führt auch zu veränderten landschaftlichen Strukturen. Dörfer (wie z. B. Walldorf) mit Leibeigenen der Lehnsherren unterscheiden sich nachhaltig von befestigten Städten (wie Wiesloch oder Bruchsal), die mehr Freiheiten genossen und z. B. ein Siegel zum Zeichen ihrer Befugnisse erhielten.
In Kirchenbüchern und Schenkungsurkunden lässt sich dies ebenso verfolgen wie durch Funde bei archäologischen Ausgrabungen.
Markante Spuren haben die Bauernkriege im 16. Jhdt. und der Dreißigjährige Krieg im 17. Jhdt. hinterlassen. In beiden Fällen waren aber die Verluste an Bausubstanz nicht so hoch wie die von Menschenleben. Nach dem 30jährigen Krieg waren 40% der Wieslocher Familiennamen verschwunden.
Am schlimmsten traf es aber Wiesloch und Umgebung 1689, als General Mélac im Auftrag Ludwigs XIV von Frankreich die gesamte Kurpfalz und angrenzende Gebiete verwüstete. 90% der Bausubstanz ging dabei verloren und es bedurfte zweier Generationen, die Verluste zu tilgen.
Erst im 18. Jhdt ging es dann stetig wieder aufwärts.