Die Mysterien des Mithras

Vortrag von Dr. Andreas Hensen, Heidelberg am 01.03.2006:
Vor einem sehr interessierten Publikum hat Dr. Hensen in einem hervorragend gegliederten Vortrag die Wurzeln des Kults, die Verbreitung im römischen Weltreich, die archäologischen Erkenntnisse vor allem bei Ausgrabungen in Südwestdeutschland und schließlich das Ende der Mithras-Mysterien in Konkurrenz zur christlichen Religion beschworen.
Bekanntlich haben die Römer zunächst eine Vielzahl von Gottheiten beginnend bei den von den Griechen importierten Hauptgöttern Jupiter, Juno, Minerva usw. über die in den eroberten Gebieten integrierten lokalen Götter bis hin zu den vergöttlichten Kaisern verehrt. Als im 1. Jhdt. n. Chr. schließlich die Mysterien des Mithras in Italien auftauchten, waren sie zunächst eine unter vielen ausländischen Kulten, die vor allem durch das Militär verbreitet wurden.
Die Mithras-Verehrung stammt ursprünglich aus Persien und war nur Männern vorbehalten. Alle unsere heutigen Kenntnisse beruhen fast ausschließlich auf archäologischen Quellen. Einige wenige schriftliche Zeugnisse von christlichen Widersachern sind polemischer Natur.
Durch viele Funde guterhaltener Kultbilder und kompletter Tempel war es möglich, den Inhalt der Mysterien recht gut zu entschlüsseln:
Mithras, am 25. Dezember zur Wintersonnenwende in einer Felsgrotte geboren, war eine Erlöserfigur und Lichtgestalt. Durch die Überwältigung und Tötung des Stiers besiegt er das Böse und die Dunkelheit und schafft Licht und neues Leben. Deshalb wird er meist in Verbindung mit dem Sonnengott später selbst als Sonnengott dargestellt.
Er trägt die für seine orientalische Herkunft charakteristische phrygische Mütze, einen weiten Mantel mit dem Sternenfirmament auf der Innenseite und eine Kugel, die Sonne, in der Hand. Mit von der Partie auf den Kultbildern sind die Mondgöttin, zwei ständige Begleiter, die Fackelträger Cautes und Cautopates als Sonnenaufgang und Leben bzw. Sonnenuntergang und Tod, der Rabe als Botenvogel und Darstellungen der vier Jahreszeiten.
Die Tempel des Mithras - die Mithräen - wurden im gesamten römischen Reich nachgewiesen. Besonders viele fanden sich u. a. in unserer Nachbarschaft: Heidelberg-Neuenheim, Ladenburg, Wiesloch, Güglingen, Mundelsheim, Riegel, um nur einige zu nennen.
Sie hatten alle gemeinsam, dass sie, unterirdisch angelegt, einer Felsgrotte nachempfunden oder in Naturhöhlen hineingebaut wurden. Sie waren langgestreckt, an einer Schmalseite befand sich der Eingang, an der anderen der Altar mit dem Kultbild. Die Decke war als Sternenfirmament bemalt. Eine Nachbildung des Mithräums von Heidelberg kann man im Kurpfälzischen Museum bewundern, das Original-Kultbild findet sich - sehr zum Leidwesen der Heidelberger - im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe.
Mit der Ausbreitung des Christentums und seinem Ausschließlichkeitsanspruch wurde der Mithras-Kult von den missionierenden Christen besonders wegen seiner Ähnlichkeiten und Analogien zur christlichen Lehre immer stärker angefeindet, bis er schließlich unter Theodosius im Jahre 391 n. Chr. ganz verboten wurde.