Mönchsrepublik Athos Ein Besuch auf dem Heiligen Berg

war der Titel des Stettfelder Abendvortrags von Ernst Georg Kraft aus Bruchsal am 19.10.2006.
Herr Kraft entführte uns mit eindrucksvollen Dias in eine Gegend, die den meisten fremd war, obwohl Griechenland als Touristenziel doch sehr populär ist.
Auf dem östlichen der drei „Finger“ der Halbinsel Chalkidike befindet sich die legendäre orthodoxe Mönchsrepublik Athos (Agion Oros), die (heute unter griechischer Souveränität) seit über tausend Jahren eine mönchische Selbstverwaltung hat. Auf 350 km2 leben dort in 20 Hauptklöstern, die vielfach von osteuropäischen Herrscherhäusern gestiftet wurden, und vielen kleinen und kleinsten Siedlungen sowie auch als Einsiedler etwa 2000 Mönche in beinahe totaler Weltabgeschiedenheit.


Herr Kraft und zwei Mitstreiter aus Bruchsal sind abwechselnd per Schiff, mit Bus und zu Fuß in eine bizarre Welt aus Urwald, felsigen Steilküsten und den Behausungen orthodoxer Mönche vorgedrungen. Wie Schwalbennester wirken die Klöster, die kleinen, bescheidenen Siedlungen und die Behausungen der Eremiten an die Felswände geklebt.
Abenteuerlich mutet es an, wenn er von den Einzelstationen der Reise berichtet.
Zunächst war es nicht ganz einfach, die Genehmigung zu einer „Pilgerreise“ zu dritt für 7 Tage zu bekommen, wurde sonst doch nur die Erlaubnis für 4 Tage erteilt. Pilger und männlich musste man unbedingt sein. Touristen und vor allem Frauen haben keinen Zutritt. Selbst weibliche Haustiere sind verpönt, um die Mönche von ihrer Vorbereitung auf den Himmel nicht abzulenken.
Unsere drei Pilger fuhren zunächst mit dem Schiff entlang der Ostküste bis zum Hauptort Karyes. Nach den Einreiseformalitäten ging es abwechselnd per Bus und zu Fuß bis zur Südspitze der Insel mit dem majestätischen Heiligen Berg Athos, dem die Mönchsrepublik ihren Namen verdankt. Nach der griechischen Mythologie war Athos ein Riese, der von Poseidon wegen Unbotmäßigkeit gegenüber den Göttern mit einem Marmorberg gesteinigt wurde.
Die Klöster, die wie Burgen wirken, weil sie sich in früheren Zeiten gegen allerlei Feinde wie z. B. Seeräuber aber auch (katholische) Kreuzfahrer verteidigen mussten, bieten gastfreundlich Unterkunft in sehr spartanischen Einrichtungen. Das Essen ist einfach und vegetarisch. Fleisch gibt es nie, Fisch nur an hohen Festtagen. Überhaupt bieten die Lebensumstände der Mönche keinerlei Höhepunkte im weltlichen Sinne. Man geht sein heiliges Leben lang in Schwarz, betet und arbeitet und zeigt außer Gesicht (umrahmt von dichtem Bart) und Händen kein weiteres Körperteil. Baden in der Öffentlichkeit ist strikt verboten. Auch das Fotografieren wird von den Mönchen meist abgelehnt. Eine besonders von den ausländischen „Pilgern“ geschätzte Fertigkeit vieler Mönche ist die Ikonenmalerei. Die Klöster verschaffen sich mit dem Verkauf der Ikonen einen nicht zu unterschätzenden Nebenverdienst.
Mit katholischen Glaubensbrüdern versteht man sich überhaupt nicht. Alle ökumenischen Annäherungsversuche der letzten Zeit werden strikt abgelehnt. Katholische Geistliche dürfen Athos offiziell nicht besuchen.
Die Pilgerreise ging weiter. Als man sich angesichts des 2033 m hohen Athos an der Südspitze der Halbinsel von Norden her kommend bereits am Ziel wähnte, haben hilfreiche Mönche geraten, doch besser den sanften Anstieg von Süden zu wählen. Nachdem dieser mühsamste Teil der Reise bewältigt war, hat ein herrlicher Sonnenaufgang und der lange, dreieckige Schatten des Athos auf der westlichen Meeresseite unsere Drei belohnt.
Der Weg zurück an der Westküste war nicht minder eindrucksvoll. Wie auch im Osten steht eine üppige Landschaft mit urwaldähnlichem Baumbestand, mit mühsam aus der Felsküste herausgearbeiteten Terrassen mit Wein, Gemüse und Obst im Kontrast zu der außerhalb Athos typischen verkarsteten griechischen Landschaft ohne Wälder, die bereits in der Antike dem Schiffbau zum Opfer fielen, ohne je wieder aufgeforstet zu werden.
Nach einer Woche haben unsere Pilger den Ausgangspunkt Karyes wieder erreicht und kehrten zurück in ihre gewohnte Zivilisation.


Drei deutsche Pilger kurz vor dem Gipfel des Athos