Die römische Villa in Wössingen
Vortrag am 10.11.2004:
Frank Olheide aus Bad Schönborn hat es sich zur Aufgabe gestellt, Näheres zur archäologischen Befundung der durch einen ihrer Keller im Badischen Landesmuseum wohlbekannten villa rustica zu vermitteln. In der Gegend zwischen Karlsruhe und Pforzheim wurden schon immer kleinere Funde gemacht, die auf die römische Besiedlung hinwiesen. 1893 begann ein Herr Wagner im Gewann "Frühmessgärten" in der Ortschaft Wössingen, heute Gemeinde Walzbachtal, erstmals erfolgreich systematisch zu graben. Dabei bestätigte sich, dass die fruchtbare Landschaft schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war. Vor allem aber fand Wagner durch einen glücklichen Umstand eine villa rustica, die sich durch Größe und prächtige Ausstattung von allem unterschied, was man bisher rechtsrheinisch an landwirtschaftlichen Römersiedlungen gefunden hatte.
Äußerst beeindruckend waren die Wandmalereien, die wie alle Funde der damaligen Grabungen nach Karlsruhe ins Museum kamen und dort ein Opfer der Bombenangriffe des 2. Weltkrieges wurden. Die erhaltenen Fotos und Gemälde zeigen u. a. Spezialornamente mit kulinarischen Motiven, wie sie bis dahin in unseren Breiten nicht bekannt waren.
Die leider untergegangenen Funde bezeugen überdurchschnittlichen Wohlstand, Lebenslust und Bildung der Bewohner. Die Villa muss etwa von Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. bis Mitte des 3. Jahrhunderts bewohnt gewesen sein.
1966 wurde in Wössingen erneut gegraben. Dabei stieß man auf ein gut erhaltenes Kellergewölbe, dessen Mauern bis ca. 2m Höhe intakt waren. Die Gesamtkonstruktion mit Nischen und Lichtschächten, mit Kellertreppe und verschiedenen Umbauten im Laufe des 2. und 3. Jahrhunderts war deutlich rekonstruierbar. Daraufhin entschloss man sich, den gesamten Keller zu demontieren und im Original im Karlsruher Badischen Landesmuseum im Schloss wieder aufzubauen.
Neben den baulichen Funden - auch Reste der Hypocaustanlage eines römischen Bades - förderten die Ausgrabungen u. a. Terra Sigillata hoher Qualität, eine südspanische Amphore, diverse Eisen- und Glasprodukte zutage. Die Ausgrabungen 1966 bestätigten die Ergebnisse von Herrn Wagner, dass es sich hier um eine Siedlung handelte, die im 2. Jahrhundert begann und im 3. Jahrhundert verlassen wurde. Dabei wurden keine Anzeichen gewaltsamer Eingriffe entdeckt.
Die Ausführungen von Herrn Olheide mit einer großen Zahl von Bilddokumenten stießen auf lebhaftes Interesse der zahlreich erschienenen Zuhörer. Vor allem aber war beeindruckend, dass die jüngste Stettfelder Entdeckung des "Palastes In den Hecken" vom Grundriss erheblich größer ist als die Villa in Wössingen.