Alamannen und Franken zwischen Kraichgau und Oberrhein

Herr Dr. Folke Damminger vom Landesdenkmalamt Karlsruhe referierte am 12.02.2003 mit zwei Projektoren gleichzeitig und ausführlichem Bild- und Kartenmaterial vor zahlreichen Zuhörern über die nachrömische Zeit unserer Region.
Nach dem Alamannensturm im 3. Jahrhundert nach Christus ließen sich neue Siedler in unserem Raum nieder, vor allem Germanen. Die Frage, ob sie „Alamannen“ oder „Alemannen“ hießen, wurde von Dr. Damminger gleich zu Anfang geklärt: Die Archäologen sprechen wie die römische Literatur von „Alamannen“ – die Bezeichnung „Alemannen“ ist volkstümlich und auch nicht falsch.
Die Zeit, über die Dr. Damminger berichtete, reicht vom 4. bis zum 8. Jahrhundert nach Christus. Zur Einstimmung erklärte er das Aussehen der Rheinlandschaft jener Zeit, eine Landschaft die vom Rhein in Mäandern durchflossen wurde. Die Kraft des Wassers veränderte ständig den Lebensraum und auch Siedlungen auf höher gelegenem Gelände waren ständig vom Wasser bedroht.
Schon sehr früh wurden Verkehrsführungen festgelegt. Als Nachweis dienen die Straßen der Römer.
Unter den sogenannten Soldatenkaisern zerfiel das römische Reich in mehrere Teile. Ein großer Teil der Truppen wurde deshalb in die abtrünnigen Provinzen (z. B. Gallien) abgezogen. Der Limes als Grenzbefestigung konnte nicht mehr gehalten werden und bot gegen die Einfälle der Germanen keinen Schutz mehr. Die begüterten Römer setzten sich in die linksrheinischen Gebiete ab.
Ab etwa 260 n. Chr. sickerten immer mehr einzelne Gruppen von Germanen über den Limes und wurden durch das Bestreben, das römische Machtvakuum auszufüllen, zu einem Interessenverband, den Alamannen. Alamannen heißt „alle, die mitmachen“.
Die neuen Bewohner haben von den Römern gelernt. Sie bearbeiteten den Boden sorgfältig und übernahmen Methoden, die sie den Nachbarn jenseits des Limes abgeschaut hatten. Schmuck und Gürtelschnallen zeigen, dass man sich römisch gab.
Bis in das 4. Jh. wurde mit römischen Münzen bezahlt.
Allerdings fällt auf, dass man nicht unbedingt die ehemaligen Siedlungen der Römer mit ihren Steinhäusern übernahm. Z. B. wurde der vicus Stettfeld nicht mehr genutzt und statt dessen schwerpunktmäßig z. B. in Bruchsal gesiedelt.
Ein Vorstoß der Alamannen nach Rheinfranken rief die Merowinger auf den Plan, die in mehreren Kriegen bis 537 n. Chr. die Reste der Alamannen endgültig unterwarfen.
Grabfunde zeigen, dass die Frauen kunstvoll gefertigten Schmuck trugen und die Männer am breiten Waffengurt Schwerter verschiedener Länge mit Griffen aus Metall.
Parallelen zu Fundmaterial in Pannonien und vor allem Böhmen lassen den Schluss zu, dass es sich auch in dieser Zeit keinesfalls um eine ethnisch geschlossene Gesellschaft gehandelt hat.
Das schnell gewachsene Reich der Merowinger zerfiel und wurde von den Karolingern abgelöst: die Geschichte des Abendlandes begann mit der Krönung Karls des Großen zum „friedenbringenden Kaiser der Römer“ am 25. Dezember des Jahres 800 in Rom.