Führung am 22.10.2002 durch römische Ausgrabungen in Walldorf
Eine kleine Gruppe interessierter Römerfreunde konnte am Dienstag, dem 22.10.2002 bei strahlendem Sonnenschein die Überreste einer römischen Anlage in Walldorf besichtigen.
Aus Anlass umfangreicher Straßenbaumaßnahmen im Gewerbegebiet von Walldorf stieß man – bereits vermutet – auf Reste von Grundmauern einer römischen Anlage, die anscheinend als großes Zentrallager mit umfangreichen Kornspeichern und –darren der großräumigen Versorgung der kaiserlichen Verwaltung diente.
Frau Dr. Britta Rabold vom Landesdenkmalamt Karlsruhe informierte eindrucksvoll und kompetent über die bei den anschließenden Notgrabungen gewonnenen Erkenntnisse. Dabei wurde deutlich, dass die römische Anlage seit Jahrhunderten bekannt ist und ausgiebig als Steinbruch genutzt wurde. Selbst größte Steinquader wurden – vielleicht für den Bau des Speierer Doms – ausgegraben und abtransportiert. Die freigelegten Grundmauern finden sich verstreut auf einer Grundfläche von ca. 4ha. Durch die wissenschaftliche Auswertung der Reste wurde zudem festgestellt, dass ab ca. 100 n. Chr. sogar zweimal gebaut wurde: die erste Anlage des Haupthauses in Fachwerkausführung wurde bei der anschließenden Steinbebauung einfach umgelegt und als Basis benutzt. Die jüngere Bebauung verläuft im Winkel von ca. 45° zum Vorgänger. Durch die schlichte Überbauung der alten Anlage konnten unter dem „Neubau“ sogar noch die Wandbemalungen des ersten Baus sichergestellt werden.
Ein Teil der Gesamtanlage wird noch im Bereich eines Naturschutzgebietes vermutet. Hier sollen später durch geophysikalische zerstörungsfreie Prospektion weitere Erkenntnisse gewonnen werden.
Die Anlagen müssen nach der Kartierung wieder zugeschüttet werden. Die Stadt Walldorf wird die Dokumentation des Landesdenkmalamtes gemeinsam mit einzelnen Fundstücken im örtlichen Heimatmuseum präsentieren.