Stettfelder Abendvorträge 2021/22

Der Freundeskreis Römermuseum Stettfeld e.V. möchte auf dieser Seite auf eine in der Region bekannte und beliebte Institution – die Stettfelder Abendvorträge in 2021/2022 – aufmerksam machen. Nachfolgend die aktuellen Vorträge für den Zeitraum Oktober 2021 bis März 2022:

Erschlagen und entsorgt - Menschliche Skelettreste aus einem römischen Brunnen bei Stettfeld, Landkreis Karlsruhe

Referent/in:   Katharina Fellgiebel B.A., Hechingen
Zeit: 19 Uhr
Ort: Römerkeller in Stettfeld
Eintritt: 2 €
Veranstalter:   Freundeskreis Römermuseum Stettfeld e.V.

Die paläoanthropologische Forschung, die sich mit den sterblichen Überresten von Menschen beschäftigt, unterstützt uns bei der Untersuchung von (prä-)historischen Skelettfunden. Durch eine Vielzahl verschiedener Methoden zur Analyse der Knochenmerkmale ist es uns gestattet, Aussagen über das Geschlecht, Sterbealter, Konstitution, degenerative Erscheinungen, krankhaft bedingte Veränderungen und Verletzungen zu treffen, um so Informationen über den Gesundheits- und Ernährungszustand sowie die hygienischen Bedingungen und medizinische Versorgung unserer Vorfahren zu erlangen.

Im Jahr 2010 wurde während der Ausgrabung durch das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg in Stettfeld auf der Gemarkung „Sand“ ein römischer Brunnen freigelegt, der die menschlichen Überreste von insgesamt vier männlichen Individuen zwischen 30 und 50 Jahren zum Vorschein brachte. Die Knochen der Verstorbenen zeigen neben wenigen krankhaften Veränderungen, vor allem Anzeichen äußerer Gewalteinwirkung. Dahingehend wurden die menschlichen Überreste einer genauen Analyse unterzogen, um nicht nur die Todesursache, sondern auch das Tatgeschehen rekonstruieren zu können.

Bildnachweis: LAD im Regierungspräsidium Stuttgart, Dienstsitz Karlsruhe (Foto: Klaus Zarrad).

Mein Nachbar der Germane - Überlegungen zu den Ausgrabungen in Heddesheim

Referent/in:   Dr. Sven Jäger, Landesdenkmalamt Karlsruhe
Zeit: 19 Uhr
Ort: Römerkeller in Stettfeld
Eintritt: 2 €
Veranstalter:   Freundeskreis Römermuseum Stettfeld e.V.

Die hier vorgestellte Siedlung in einer Schleife des Altneckars wurde 2013 im Vorfeld der Erschließungsarbeiten für ein Wohngebiet entdeckt. Die bis zuletzt in den Sommer 2019 hinein durchgeführten Ausgrabungen erschließen inzwischen größere Flächen der einstigen Siedlung. Bereits die erste Sichtung des Materials, das 2013 bis 2014 während Ausgrabungen der Reiss-Engelhorn-Museen geborgen wurde, ließ darauf schließen, dass das Siedlungsareal bereits in der frühen Eisenzeit locker besiedelt war und dann nach einer langen Pause ab der frühen Kaiserzeit von Neckarsweben wieder aufgesucht wurde. Doch dann sehr intensiv und dauerhaft, denn das Fundmaterial deckt ohne Unterbrechung einen Zeitraum vom 1. bis 5. Jahrhundert n. Chr. ab. Auch wenn die offenbare Kontinuität dieser germanischen Siedlung über den Limesfall hinaus eine für die Forschung bedeutende These ist, so ist ein anderer Faktor mindestens ebenso wichtig: Die germanische Materialkomponente im Fundmaterial bleibt bis weit in das 3. Jahrhundert existent und wurde nach der römischen Okkupation des rechtsrheinischen Gebiets im letzten Drittel des 1. Jahrhunderts offensichtlich nicht durch die provinzialrömische Kultur verdrängt. Doch wie kann das sein, war doch die Siedlung Heddesheim kaum mehr als 2 Kilometer von der nahen Zentralsiedlung Ladenburg mit seinen Kastellen und städtischen Großbauten entfernt? Nur einen Steinwurf weg von den Grubenhütten und Werkplätzen der germanischen Siedlungsstrukturen lag zudem ein römischer Steinbau, eventuell der Rest einer römischen Villa. Hätte dies nicht zu einer umfassenden Wandlung der Lebensweise führen müssen? Ein Widerspruch, blickt man auf das bisherige Forschungsbild.

Collage der Präsentation. Referent ist Rechteinhaber.

Auf Vasenjagd - Die Gründung der Karlsruher Antikensammlung und der Kunstmarkt in Italien im 19. Jahrhundert

Referent/in:   Susanne Erbelding, Bad. Landesmuseum Karlsruhe
Zeit: 19 Uhr
Ort: Römerkeller in Stettfeld
Eintritt: 2 €
Veranstalter:   Freundeskreis Römermusuem Stettfeld e.V.

Die Inhaltsangabe des Vortrags befindet sich in Vorbereitung und kann zu einem späteren Zeitpunkt an dieser Stelle abgerufen werden.

Waghäusel - Eremitage, Zuckerfabrik und Vogel”paradies”

Referent/in:   Jürgen Alberti
Zeit: 19 Uhr
Ort: Römerkeller in Stettfeld
Eintritt: 2 €
Veranstalter:   Freundeskreis Römermuseum Stettfeld e.V.

Die Inhaltsangabe des Vortrags befindet sich in Vorbereitung und kann zu einem späteren Zeitpunkt an dieser Stelle abgerufen werden.

Geschmolzener Sand - zur Produktion von antiken Glaswaren im Vorderen Orient

Referent/in:   Dr. Claudia Braun, Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim
Zeit: 19 Uhr
Ort: Römerkeller in Stettfeld
Eintritt: 2 €
Veranstalter:   Freundeskreis Römermuseum Stettfeld e.V.

Der Werkstoff Glas war als Glasur im Vorderen Orient und Ägypten bereits seit dem 5. Jahrtausend v. Chr. bekannt, er wurde aber erst im 15. Jahrhundert v. Chr. in größerem Umfang zur Herstellung von Gefäßen verwendet. Die ältesten Beispiele stammen aus Mesopotamien und Ägypten. Neben Rhodos entwickelten sich ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. vor allem an der syrischen Küste bedeutende Produktionszentren, deren Erzeugnisse eine weite Verbreitung fanden. Im Mittelpunkt des Vortrags stehen Glasgefäße aus den Werkstätten in der Levante, die zum Bestand der Antikensammlung der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim gehören.

Bildnachweis: © Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, Foto: Maria Schumann.

Womit die Römer rechneten, wovor sie sich fürchteten und worüber sie lachten: schriftliche Kommunikation im Alltag der Römer

Referent/in:   Prof. Markus Scholz, Universität Frankfurt
Zeit: 19 Uhr
Ort: Römerkeller in Stettfeld
Eintritt: 2 €
Veranstalter:   Freundeskreis Römermuseum Stettfeld e.V.

Wäre heute ein Leben ohne Schrift vorstellbar? Ohne Websites, Mails (oder wenigstens einen Tweet), ohne Bewertungen, Gehaltsabrechnungen, Parkknöllchen und ohne Kassenbons? Bei den Römern definitiv nicht, jedenfalls nicht im Rahmen der kommunikativen Möglichkeiten ihrer Zeit. Ein Beispiel: allein im Mainzer Legionslager galt es jährlich 15.000-18.000 Soldquittungen der Legionäre zu archivieren. Der alltägliche Schriftverkehr in der römischen Kaiserzeit mutet beinahe modern an – oder besser andersherum: unsere Gesellschaft ist in dieser Hinsicht sehr antik. Anders als in Ägypten sind hierzulande jedoch nur noch wenige Zeugnisse der schriftlichen Alltagskommunikation erhalten. Oft blieben nur zufällige Bruchstücke auf haltbaren Materialien übrig, deren Sinn nicht immer leicht zu erschließen ist. Dennoch ist dies eine große Menge. Die in fast jeder Ausgrabung zutage kommenden Schriftzeugnisse auf ihren höchst vielfältigen Trägermaterialien eröffnen uns einen faszinierenden Einblick in das antike Leben in den römischen Provinzen.

Thema des Vortrags sind die vielfältigen handschriftlichen Notizen und Markierungen der alltäglichen Kommunikation im Römischen Reich: Besitzergraffiti auf Hausrat, Abrechnungen und Bestellungen, Preis- und Maßangaben, Quittungen, Rachegebete an Gottheiten der Unterwelt, Zeugnisse von Schulunterricht und Rechtsprechung, der „Bürokratie“ der römischen Armee, private Emotionsäußerungen und Witze. Die Zusammenschau vermittelt einen lebendigen Einblick in das antike Leben in den römischen Provinzen. Dabei werden auch ausgewählte Quellen aus dem römischen Baden-Württemberg „zur Sprache“ kommen.

„Kein Schnuller: Beschlag einer Dokumentasche für Pergamentrollen mit Inschrift eines Feldzeichenträgers aus dem römischen Reiterlager Aquileia/Heidenheim an der Brenz, 2. Jh. n. Chr.“. Rechte: Y. Mühleis, LfD Ba-Wü, Esslingen.