Stettfelder Abendvorträge 2019

Dieser Seite entnehmen Sie bitte die Berichte der Stettfelder Abendvorträge 2019.

Eine Andalusienreise unter Berücksichtigung römischer Funde

Am 21.01.2019 sprang der Vereinsvorsitzende Helmut Dörflinger kurzfristig für die erkrankte Referentin Frau Dr. Braun in die Bresche und entführte die 30 Zuhörer in die Welt des römischen Andalusiens. Dabei kamen auch andere Kulturen und die Landschaft nicht zu kurz.

Erster Stopp der Reise war das römische Italica – eine Stadt in der Nähe des heutigen Sevilla, welche zu einem großen Teil noch nicht überbaut ist und somit mit herrlichen und vor Ort erhaltenen Mosaiken aufwarten kann. Diese zeigen neben Ornamenten, Tieren und Pflanzen auch mythische Szenen und Götter, nach denen wiederum die Häuser benannt wurden, in denen sie aufgefunden wurden (so z.B. das Haus des Neptuns). Weitere Sehenswürdigkeiten waren das große Amphitheater, Thermen und ein Trajansheiligtum.

Weiter ging es über Cordoba nach Carmona mit seiner gut erhaltenen römischen Nekropole, aus der die berühmte Statue eines Elefanten stammt. Ein besonderer Bestattungsort war der fußballfeldgroße Grabkomplex der Servilia, deren Grabinschrift und Steinfigurbruchstücke man noch auffinden konnte. Aus der maurischen Epoche stammen die heute sichtbare Stadtmauer und aus späterer Zeit prächtige Kirchen und pittoreske mittelalterliche Häuser.

Nächster Halt war am Serro del Hierro, am „Hügel des Eisens“. Der inzwischen eingestellte obertägige Abbau von Eisenerzen ließ eine wilde, inzwischen wieder mit Gräsern und Korkeichen bewachsene Haldenlandschaft zurück, die mit ihrer tiefroten Farbe die Blicke des Betrachters auf sich zieht und inzwischen ein Naturparadies ist. Aus Cordoba, konnten wir Bilder der Mezquita, einer riesigen Kirche, die bis zur Reconquista eine Moschee war, bewundern. Die Fläche der Anlage beträgt über 2 Hektar und das Allerheiligste ist mit großartigen Mosaiken ausgestattet. Maurische Bögen, Orgel und ein aufwändig geschnitztes barockes Chorgestühl, zeigen den Mix der Epochen und Kulturen in dieser Region. Erstaunlich auch, mit welch herrlichen Gärten und Wasserspielen manche Stadthäuser aufwarten konnten, die von außen einen eher dezenten Eindruck machten.

Letzter Punkt des Reisvortrages war die Stadt Jerez de la Frontera, mit einem riesigen Altar in einer der Kirchen und einer eindrucksvollen Darstellung des Jüngsten Gerichts. Zahlreiche Häuser waren mit bemalten Kacheln verziert und verliehen diesen ein individuelles Aussehen. Natürlich dufte in Jerez, von dem sich der Name „Sherry“ herleitet, ein Besuch in einer Sherryfabrik nicht fehlen. Dort reihte sich Fass an Fass, heller neben dunklem und junger neben altem Sherry.

Und dass die Zuhörer nach dem Vortrag zufrieden nach Hause gehen konnten, lag nicht nur an den schönen Bildern und den vielen neuen Eindrücken: denn wer wollte, der konnte auch noch einen kleinen Schluck echten Sherrys aus Jerez probieren!

Bestattungsritus in römischer Zeit - das römische Gräberfeld von Stettfeld

Am 15.02.2019 referierte Dr. Peter Knötzele - selbst Mitglied des Freundeskreises Römermuseum und nicht zuletzt durch seine jüngste Publikation als profunder Kenner des römischen Stettfeld ausgewiesen - bei den Römerfreunden über den römischen Bestattungsritus im Stettfelder Gräberfeld.

Ob es neben dem bisher bekannten einzigen Gräberfeld noch ein weiteres gab, ist nicht mit Sicherheit zu beantworten, jedoch auch nicht ausgeschlossen. Jedenfalls muß es nach römischem Recht in gewisser, jedoch nicht einheitlich bestimmter Entfernung von der Siedlung gelegen gewesen sein.

Der Referent schilderte dann den Ablauf eines Begräbnisses anhand schriftlicher Quellen und archäologischer Funde, wobei das Totenbrauchtum der römischen Kaiserzeit aufgrund lokaler Gebräuche nicht auf einen einfachen Nenner zu bringen ist. Die Lebenserwartung lag in Stettfeld übrigens bei Männern bei 37,1 Jahren und bei Frauen bei 36,6 Jahren.

Es gab keinen definierten Zeitpunkt, an dem die Bestattung stattfinden mußte. Oft wurde der Tote noch am selben Tag, mitunter auch erst nach drei oder mehr Tagen beerdigt, wobei auch die soziale Stellung eine wesentliche Rolle spielte. Der Leichenzug bot Gelegenheit sowohl zur familiären Selbstdarstellung als auch, die Wertschätzung des Verstorbenen u.a. durch Leichenreden hervorzuheben. Alsdann erfolgte die damals übliche Verbrennung des Toten auf einem – in Stettfeld noch nicht lokalisierten - Verbrennungsplatz, soweit die Verbrennung nicht direkt über der Bestattungsgrube stattfand. Der Leichnam verbrannte innerhalb mehrerer Stunden, wobei Temperaturen von 800 – 1000 Grad Celsius erreicht wurden. Für einen Erwachsenen wurden rund 1,5 Kubikmeter Holz benötigt! Säuglinge wurden häufig nicht verbrannt. Mitte des 2. Jh. n. Chr. kam in den Nordprovinzen die Körperbestattung auf, die dann ab dem 3. Jh.überwog. Die Gründe für diesen Wechsel sind noch nicht genau bekannt, soweit sie nicht auf den christlichen Glauben zurückgehen.

Die Bestattungen erfolgten gewöhnlich ohne äußere Struktur und Ordnung im Gräberfeld, das keine Umfassungsmauern hatte. Höchstens die einzelnen Gräber besaßen Umfriedungen. Sie waren jedenfalls markiert, z.B. durch Grabsteine oder Grabmonumente.

Die verschiedenen Bestattungsformen kann man der Dauerausstellung im Römermuseum Stettfeld leicht entnehmen (Leichenbrand im Säckchen, in einem großen irdenen Kochtopf oder einer Steinkiste usw.). Auffällig ist das Fehlen von Glasurnen, die z.B. in Heidelberg oft anzutreffen sind.

An erhaltenen Beigaben wurde häufig Keramik zweiter Wahl oder mit Benutzungsspuren verwendet. Man fand auch einzelne Schuhnägel – häufig in einem Krug – als pars pro toto. Speziell für Stettfeld zu erwähnen sind ferner bemerkenswerte Glasbeigaben. Münzen im Mund als Lohn für den Unterweltsfährmann Charon sind hingegen in Stettfeld relativ selten.

Generell läßt sich feststellen, daß römische Gräber aufgrund der Jenseitsvorstellungen (freudloses und anonymes Dasein im Jenseits) bescheiden wirken, während es bei einheimischer Bevölkerung keltischen oder germanischen Ursprungs üblich war, den Toten wie zu Lebzeiten reichlich auszustatten, da man dort ein individuelles Fortleben im Jenseits als gesichert ansah. Etwa 70 Zuhörer dankten dem Referenten mit begeistertem Applaus.

Cassiodor

Am Dienstag den 12.03.2019 hielt Frau Dr. Petra Mayer-Reppert vor knapp 25 Zuhörern einen Vortrag über den spätantiken römischen Staatsmann, Gelehrten und Schriftsteller Flavius Magnus Aurelius Cassiodorus (*485 in Scylaceum, Bruttium). Aus einer ursprünglich syrischen Familie stammend, die es um 200 n. Chr. im Gefolge der damals herrschenden Severer-Dynastie nach Italien verschlug, hatten schon sein Vater, Großvater und Urgroßvater wichtige Ämter in der Militär- und der Zivilverwaltung inne.

So war es dann auch nicht erstaunlich, dass Cassiodor, der in der Jugend vermutlich eine Philosophenschule in Süditalien besuchte, seine Ämterlaufbahn als Consiliarius des eigenen Vaters begann – und dies bereits mit 15 Jahren! 514 schließlich wurde er durch Theoderich selbst zum Consul ordinarius ernannt; von 533-38 war er Praefectus praetorio und hatte somit das oberste Amt der Zivilverwaltung in den Bereichen Finanzen und Justiz inne. Mit Boethius und Symmachus, hohen und geistesgeschichtlich bedeutenden Beamten des Theoderich, war er gut vernetzt.

Kennzeichnend für Cassiodor war, dass er es verstand, politischen Klippen geschickt auszuweichen und sich gegebenenfalls als „Graue Eminenz“ im Hintergrund zu halten. Obwohl Römer, machte er sich in seinen Büchern über die Geschichte der Goten für eine Freundschaft der beiden Völker stark. 535/36 n. Chr. versuchte er mit Papst Agapitus I eine Akademie und Bibliothek für lateinische und griechische Kirchenautoren zu gründen - was allerdings nicht gelang. Wenige Jahre später, stellte er mit den „Variae“ eine wichtige Briefe- und Gesetzessammlung aus der Zeit Theoderichs zusammen. Um 540 zog er sich fast völlig aus dem politischen Leben zurück und gründete auf seinem Familienbesitz das Kloster „Vivarium“. In diesem befasste er sich auch mit den sieben freien Künsten und brachte antikes heidnisches Wissen mit den Werken christlicher Schriftsteller und Philosophen zusammen. Vor allem aber etablierte er die Tradition von Klosterbibliotheken und Skriptorien als Orte des Wissens und der Weitergabe von Bildung. Mit seinen Schülern vermittelte er die griechische Literatur in den lateinischsprachigen Westen – die dortige Oberschicht hatte diese Sprache in den politischen Wirren der Völkerwanderung nahezu völlig verlernt. Hoch angesehen starb Cassiodorus um 580 n.Chr. in seinem Kloster und hinterließ mit seinem Tode eine große Lücke; stellte er doch die Weichen der Wissensübermittlung in vielen unterschiedlichen Bereichen von der Welt der Spätantike hinein ins christliche Mittelalter.

Der Referentin gelang es, dem Publikum diese beachtliche Lebensleistung des heute in Deutschland nahezu unbekannten Gelehrten nahe zu bringen und erhielt dafür den verdienten Applaus.

Faszination römische Küche – Der Geschmack des Weltreichs

In einer Gemeinschaftsveranstaltung mit dem Bildungswerk der Seelsorgeeinheit Ubstadt-Weiher, starteten die Stettfelder Ab